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Mehr Durchblick beim Gerätekauf

Mehr Durchblick beim Gerätekauf

Die sparsamsten Elektrogeräte tragen künftig Energieetiketten der Klasse B. Verbraucher sollen dank einer Neuskalierung, die die EU vornimmt, wieder einen besseren Überblick über den echten Energieverbrauch bekommen.

Brüssel/Trier. Die Farben reichen von Tiefrot bis Dunkelgrün, die Buchstaben gehen von "G" für wenig energieeffizient bis "A" für vorbildlich im Verbrauch von Energie: Das Energie-Etikett, das die EU 1995 eingeführt hat, ist über die Jahre zum geschätzten Ratgeber bei Kaufentscheidungen geworden. Nur: Inzwischen muss der Verbraucher schon sehr genau hingucken, um nicht in die Irre geführt zu werden.
Grundlegende Reform


Sind doch fast alle Elektrogeräte, die vom Einzelhandel angeboten werden, im grünen Bereich ("A") angesiedelt. Die Klassen "B", "C" , "D" und alles, was danach kommt, gibt es allenfalls noch auf dem Papier. Die handelsübliche Waschmaschine, die aktuell die schlechtesten Werte hat, landet in der Klasse "A+". Das sieht auf den ersten Blick gut aus. Der unbedarfte Kunde meint, dass er ein effizientes Gerät erwirbt. Tatsächlich aber ist der Stromverbrauch deutlich höher als bei den anderen Geräten, die im Bereich "A++" und "A+++" landen. Auch bei Kühlgeräten fällt es schwer, den Durchblick zu haben: Rund 70 Prozent aller handelsüblichen Kühlschränke sind in den oberen "A"-Bereichen eingruppiert.
Mit dieser Irreführung soll bald Schluss sein: Die EU arbeitet an einer grundlegenden Reform der Energie-Etiketten. Sie plant eine Rückkehr zu der einheitlichen Skala "G bis A". Die "Klassen A+, A++ und A+++" sollen bald verschwinden. So soll der Verbraucher wieder eine verlässliche Hilfe bei der Kaufentscheidung bekommen und das Etikett wieder zum Antreiber des technologischen Fortschritts werden.
"Wir begrüßten die Neuregelung. Mit der Rückkehr zum Label A bis G greift man ein seit über 20 Jahren als besonders wirksam erwiesenes und für den Verbraucher leicht verständliches Kennzeichnungssystem wieder auf", sagt Heike Spannagel, Pressesprecherin des Mainzer Umweltministeriums. Durch die Neuskalierung bereits bestehender Produkte werde sichergestellt, dass das Label auch in Zukunft seine Anreizwirkung entfaltet und zur Verbreitung effizienter Technologien beiträgt. Dies sei wesentlich, um den Energieverbrauch zu senken. In Umfragen haben 85 Prozent der EU-Bürger angegeben, dass sie sich bei ihrem Kauf vom Energie-Etikett leiten lassen. Die EU will zudem dafür Sorge tragen, dass die Aussagekraft des Etiketts nicht wieder über die Jahre entwertet wird. So soll die Einstufung in die Energieeffizienz-Klassen nach fünf Jahren erstmals überarbeitet werden. Danach ist eine Überarbeitung vorgesehen, sobald 30 Prozent der Geräte einer Produktklasse im Bereich "A" landen oder wenn mehr als die Hälfte der Geräte "A" und "B" erreichen.
Am schnellsten will die EU für die Umstellung auf die neue und übersichtliche Etikettierung bei Fernseh-Geräten und der "Weißen Ware" sorgen: Kühlschränke, Tiefkühlgeräte, Waschmaschinen sowie Trockner sollen binnen 24 Monaten wieder in den alten Effizienzklassen etikettiert werden, also von "G nach A". Danach wird die Umstellung bei anderen Elektrogeräten erfolgen. Dafür sind fünf Jahre angepeilt. Heizgeräte wie Boiler, Raumheiz- und Kombiheizgeräte sind ausgenommen, weil sie erst vor kurzem das Energie-Etikett bekommen haben. In der Umstellungsphase ist geplant, dass alle Produkte, die schon auf dem Markt sind, weiter verkauft werden können wie bisher. Neue Produkte müssen dann mit dem neuen Etikett verkauft werden.
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sieht in diesem Zusammenhang manches kritisch.
Erstens: dass nicht alle Geräte gleichzeitig umgestellt werden. Zweitens: dass das Ganze so lange dauert.
Drittens: dass die Energielabels für Heizgeräte gar nicht reformiert werden. Das Hauptproblem sei jedoch - und das glauben auch die Stadtwerke Trier, den Übergang gut hinzubekommen. Ist es doch wahrscheinlich, dass viele Verbraucher verwirrt sind, wenn supersparsame B-Geräte im Laden plötzlich neben vermeintlich supersparsamen A+++-Geräten stehen. "Da werden wir viel erklären müssen", glaubt Elke Dünnhoff von der Verbraucherzentrale.
Sie fordert zudem, dass die Labels neu gestaltet werden. Diese seien aktuell schwer verständlich, weil sie - um nicht in verschiedene Sprachen übersetzt werden zu müssen - mit Piktogrammen oder kryptischen Bezeichnungen wie min/cycle (Dauer eines Standardprogramms) oder kwH/annum (Kilowattstunden pro Jahr) arbeiten.Extra

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Foto: (g_geld )

Die Neuskalierung der Energielabels ist nicht alles, was die EU plant: Es soll auch eine Datenbank entstehen. Diese Datenbank, die durch die EU-Kommission aufgebaut werden soll, dient dazu, dass sich Verbraucher im Internet informieren können, wie gut ein Produkt bei Energieverbrauch im Verhältnis zur Leistung abschneidet. Die Hersteller müssen dazu künftig Daten liefern. Die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale hält diese neue Informationsquelle für wertvoll, da sie übersichtlich exakte Vergleiche ermöglicht. Die Datenbank hat noch einen zweiten Bereich, der nicht für Verbraucher zugänglich ist, sondern nur für die Behörden. Diese abgeschirmte Plattform soll den Behörden die Daten an die Hand geben, um die Einhaltung der Regeln für die Energieeffizienzkennzeichnung zu überprüfen. EU-weit gibt es bislang große Defizite bei der Überwachung der Vorschriften im Zusammenhang mit den Energieetiketten. Schätzungen gehen davon aus, dass bei bis zu einem Viertel der angebotenen Geräte der Energieverbrauch nicht richtig gekennzeichnet ist. grab/Mos