Mehr Rechte für den Reisenden

Mehr Rechte für den Reisenden

TRIER. Wie kommt der Urlauber an sein Geld, wenn der Flug ausfällt, wenn er Opfer eines Unglücks wird oder aus einem halsabschneiderischen Vertrag wieder heraus möchte? Bei einer Tagung an der Europäischen Rechtsakademie in Trier ging es um Europäisches Reiserecht in der Praxis. Projektleiter Ansgar Staudinger gibt im TV-Interview die wichtigsten Verbrauchertipps.

Herr Staudinger, das Luftfahrt-Reiserecht hat sich im Februar auf europäischer Ebene geändert. Was bedeutet das für den Reisenden?Staudinger: Es gab zuvor teilweise gar keine Schadenersatz-Ansprüche. Durch das europäische Gemeinschaftsrecht hat man jetzt sowohl für den Inlandsflug als auch für den grenzüberschreitenden Flug innerhalb der EU einheitliche Standards geschaffen. Der Reisende hat Ansprüche gegen die Flugbeförderer, wenn seine Maschine ausfällt, größere Verspätungen eintreten oder der Flug annulliert wird. Er kann am Flughafen darum bitten, dass ihm lange Wartezeiten versüßt werden, sei es durch heiße Getränke oder anderes. Wenn der Flug ausfällt, kann er Geldzahlungen einklagen. Welche Rolle spielt dabei der Firmensitz des Luftfahrtunternehmens?Staudinger: Der Kunde hat einen Anspruch auf die Zahlungen - auch wenn die Fluggesellschaft im Ausland sitzt. Wenn sie vor dem Hintergrund des neuen Reiserechts aber nicht freiwillig zahlt, kann eine Klage im Ausland trotzdem sehr langwierig werden. Was müssen Fluggesellschaften für den Reisenden vor dem Hintergrund von Terror- und Katastrophengefahr tun?Staudinger: Im Moment wird vor einem deutschen Gericht zum ersten Mal ein Prozess geführt gegen einen Reiseunternehmer im Zusammenhang mit dem Unglück von Djerba. Die Frage ist: Wie weit muss ein Reiseunternehmen versuchen, Sicherheitsrisiken vorauszuahnen? Der Prozess geht durch die Instanzen - hier muss man die Rechtsprechung abwarten. Pauschalreisen bieten Komfort. Doch was muss ein unzufriedener Urlauber beachten, damit er seine Rechte im Streitfall durchsetzen kann?Staudinger: Er muss sich vorher genau informieren: Bis wann muss ich Ansprüche anmelden? Bei wem? Der Urlauber sollte direkt bei der Reiseleitung darauf hinweisen, dass der Mangel nicht nur abgestellt wird, sondern er auch Ansprüche auf Schadenersatz erhebt. Zusätzlich sollte man alles schriftlich festhalten und nach der Reise einreichen. In der Rechtssprechung zeigt sich die Tendenz, dass man seine Ansprüche sogar bei seinem Reisebüro geltend machen kann - denn das war ja vor Reisebeginn der Ansprechpartner. Was hat der Pauschalreisende für Rechte, wenn er im Ausland bucht und es Streit gibt wegen nicht erfüllter Leistungen?Staudinger: Wenn ein solcher Vertrag innerhalb der EU geschlossen wird, greift die Pauschalreiserichtlinie. So ist in jedem Mitgliedsstaat ein gewisser Mindestschutz identisch. Doch gibt es in jedem Land Besonderheiten. Beliebt sind bei Urlaubern so genannte Timesharing-Nutzungsrechte an Ferienwohnungen oder -häusern. Was ist bei Abschluss eines solchen Vertrags zu beachten?Staudinger: Die Gefahren lauern in Anzahlungen, die verloren sind und für die man keinen Gegenwert erhält. Zum anderen ist der Preis, den man für das Nutzungsrecht pro Jahr bezahlt, oft nur ein ganz kleiner Ausschnitt, und es sind noch Instandhaltungskosten zu zahlen für Gärtner und so weiter. Wie kommt man da wieder 'raus?Staudinger: Die Anbieter stehen in der Pflicht, den Kunden über alles zu informieren. Ist der Kunde ausreichend belehrt, kann er nach Abschluss des Vertrages bis zu zwei Wochen davon zurücktreten. Wenn die Belehrung ausblieb, kann man sogar unbegrenzt widerrufen. Allerdings nur im deutschen Recht. S Die Fragen stellte unsere Mitarbeiterin Birgit Pfaus-Ravida.

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