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Mehr Spitzenforscher nach Deutschland

Mehr Spitzenforscher nach Deutschland

Einreiseverbot und Brexit als Chance: Wird die Bundesrepublik für internationale Experten attraktiver?



Berlin In der Unionsfraktion des Bundestages verweist man bereits auf mögliche Chancen, die sich wegen der Entwicklung in den USA, aber auch in Großbritannien auftun könnten. "Die Situation des Umbruchs in den angelsächsischen Ländern müssen wir dafür nutzen, unsere Aktivitäten für die Anwerbung der besten Köpfe massiv auszubauen", sagte Fraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) unserer Redaktion. Man könne nicht darauf warten, "dass sich ausländische Spitzenforscher bei uns bewerben, sondern muss sie direkt ansprechen und international hochattraktive Förderangebote unterbreiten".
Kretschmer macht sich für mehr hoch dotierte Professuren und eine Steigerung der Anzahl von Forschungsstipendien stark. Ein entsprechendes Programm mit dem Titel "Exzellenz-Headhunting-International" plant derzeit die Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
Bereits heute ist Deutschland nach den USA, Großbritannien, Australien und Frankreich das fünftbeliebteste Zielland für ausländische Studenten. 2015 waren hier 322 000 Ausländer eingeschrieben - doppelt so viele wie 1999. Und es könnten noch mehr werden, weil in Großbritannien die Studiengebühren drastisch steigen. Umgekehrt war mehr als ein Drittel der deutschen Hochschulabsolventen im Rahmen des Studiums mindestens einmal im Ausland. Die Zahl der internationalen Spitzenforscher, die es jährlich nach Deutschland zieht, beziffern Experten allerdings nur auf etwa 1000 bis 1600. Genaue Statistiken darüber gibt es nicht.
Herbert Brücker, Migrationsforscher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, warnte hier jedoch vor überzogenen Erwartungen. "Ein neues Programm verändert noch nicht die Forschungslandschaft. Das sind langfristige Prozesse", so Brücker im Gespräch mit unserer Redaktion.
Deutschland werde zwar immer interessanter für ausländische Studierende. Aber wer als Spitzenforscher hierher komme, der tue das nicht wegen eines speziellen Programms, sondern weil er eine Lebenszeit-Professur bekomme, oder weil er ein besonders gutes Forschungsumfeld vorfinde. "Und da hat Deutschland Probleme. Allein schon deshalb, weil an deutschen Unis in der Regel auf Deutsch unterrichtet wird, also die internationale Ausrichtung fehlt", so Brücker.
Obendrein stehe Deutschland - abgesehen von Bereichen wie den Ingenieurwissenschaften - nur im Mittelfeld unter den führenden Industrienationen. "So lange das so ist, wird es natürlich immer interessanter sein, als Spitzenforscher in die USA zu gehen, denn dort gibt es Spitzen-Universitäten mit deutlich besserer Ausstattung, besseren Forschungsbedingungen und auch besseren Gehältern als in Deutschland". Brücker wollte allerdings nicht ausschließen, dass Deutschland vom Abschottungskurs Trumps profitieren könnte. "Es kann durchaus eine Bewegung geben, weg von den USA. Und dann ist Deutschland eine gute Adresse."