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Amerika
Mehr Sumpf geht nicht

Hier ist Trumps Umweltminister Scott Pruitt in der Bildcombo unten links zu sehen. Die restliche Ministerriege in Trumps Wackelkabinett: David Shulkin (oben, l-r) , Minister für die Veteranen, Betsy DeVos, Erziehungsministerin, Ryan Zinke, Innenminister und Herbert Raymond McMaster, nationaler Sicherheitsberater. Scott Pruitt (unten, l-r), Chef der Umweltbehörde EPA, Jeff Sessions, Justizminister und Chefankläger, Ben Carson, Wohnungsbauminister und John Kelly Stabschef. Rechts US-Präsident Donald Trump.
Hier ist Trumps Umweltminister Scott Pruitt in der Bildcombo unten links zu sehen. Die restliche Ministerriege in Trumps Wackelkabinett: David Shulkin (oben, l-r) , Minister für die Veteranen, Betsy DeVos, Erziehungsministerin, Ryan Zinke, Innenminister und Herbert Raymond McMaster, nationaler Sicherheitsberater. Scott Pruitt (unten, l-r), Chef der Umweltbehörde EPA, Jeff Sessions, Justizminister und Chefankläger, Ben Carson, Wohnungsbauminister und John Kelly Stabschef. Rechts US-Präsident Donald Trump. FOTO: - / dpa
Washington. Ein Ressortchef mit Extravaganzen: Trumps Umweltminister Scott Pruitt ist ein Symbol der Verschwendungssucht.

An Scott Pruitt scheiden sich die Geister. Was schon mal zu erregten Wortmeldungen führt, etwa an Bord eines Flugzeugs. Als er zu Beginn seiner Amtszeit einen Sitz in der Economy Class ansteuerte, der amerikanische Umweltminister, der Umweltregeln auf ein Minimum zurechtstutzen will, ließ sich ein Passagier zu lautstarker Kritik hinreißen. „Scott Pruitt, Sie vermasseln uns die Ökologie!“, soll er gerufen haben.

Seitdem fliegt der dünnhäutige Politiker nur noch erste Klasse, sofern der Staat zahlt. „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo es nicht mehr viel Höflichkeit auf dem Markt gibt“, hat er das etwas sperrig begründet. „Das Ausmaß des Schutzes wird durch das Ausmaß der Bedrohung bestimmt.“

Seit Wochen schon sind sie Stadtgespräch in Washington, die Extravaganzen des Chefs der Umweltbehörde EPA. Täglich kommen neue anrüchige Details über teure Büromöbel, teure Sicherheitsvorkehrungen, teure Ausflüge ans Licht. So vehement Donald Trump im Wahlkampf versprach, den „Washingtoner Sumpf“ auszutrocknen, mit Pruitt sitzt ein Minister in seinem Kabinett, dessen Verschwendungssucht ad absurdum führt, was der Präsident an Sprüchen klopft.

Es begann mit dem Domizil. Aus Oklahoma an den Potomac gezogen, mietete der Jurist eine Ein-Zimmer-Wohnung in einem Townhouse, das der Frau eines Energielobbyisten gehört. Statt der üblichen Monatsmiete zahlte er nur bei Anwesenheit, 50 Dollar pro Tag. Allerdings ist es im Viertel Capitol Hill, in unmittelbarer Nähe des Kapitols, normaler!weise unmöglich, für so eine Summe auch nur ein Zimmerchen zu bekommen. Der Mann der Vermieterin, an dieser Stelle wird es politisch brisant, leistete Lobbyarbeit für einen kanadischen Ölkonzern, der grünes Licht für eine umstrittene Pipeline in Minnesota brauchte. Pruitt genehmigte das Projekt.

Kaum hatte er sein Amt angetreten, bestellte er zwei neue Schreibtische, einen für sein Büro, den anderen, kugelsicher gepanzert, für sein Vorzimmer. Kosten: 70 000 Dollar. Ein Abteilungsleiter legte Einspruch ein, worauf der Minister einen Rückzieher machte und stattdessen ein Modell mit hölzernen Ornamenten in einem Antiquitätenladen bestellte. Dieses wiederum sollte an den Schreibtisch im Oval Office, ein Geschenk der britischen Königin Victoria, erinnern.

Obendrein ließ er für 5800 Dollar biometrische Türschlösser einbauen, die auf Fingerabdrücke reagieren, und für 43 000 Dollar eine schalldichte Telefonzelle installieren. Seit Gründung der EPA im Jahr 1970 ist der 49-Jährige der erste Umweltminister, der sich rund um die Uhr, auch nachts, von Bodyguards bewachen lässt. Deren Zahl ließ er übrigens auf 20 aufstocken, das Dreifache dessen, was seine Vorgängerin beansprucht hatte.

Wer Scott Pruitt widerspricht, hat mit Folgen zu rechnen. Den Beamten, der gegen die sündhaft teuren Schreibtische protestierte, ließ er ebenso strafversetzen wie den Chef des Sicherheitstrupps, der keinen Grund sah, aus eher banalen Gründen mit Blaulicht durch die Straßen der Hauptstadt zu rasen. Einmal hatte Pruitt einen Tisch im Le Diplomate reserviert, einem oft ausgebuchten Restaurant an einer beliebten Flaniermeile. Da er spät dran war und im Stau stand, wies er seinen Fahrer an, die Sirene anzuschalten. Als sich dergleichen wiederholte, erinnerte ein Personenschützer namens Eric Weese an die Vorschriften, nach denen Sirene samt Blaulicht nur in Notfällen erlaubt ist. Prompt verlor Weese seinen Posten.

Bevor er ins Kabinett Trump wechselte, war Pruitt Generalstaatsanwalt des ölreichen Bundesstaats Oklahoma. Ein Tea-Party-Republikaner, der 14-mal gegen die EPA mit ihren Umweltauflagen klagte. Dass der Mensch einen Anteil am Klimawandel hat, bezweifelt er. Seit er ins Kabinett aufgerückt ist, kämpft Pruitt mit aller Härte für die Aufhebung von Klimaschutzbestimmungen aus der Ära Barack Obamas. Bei Trump, der ansonsten nicht lange fackelt, wenn er Kabinettsmitglieder entlässt, scheint er einen Stein im Brett zu haben. Vor kurzem noch soll der Präsident erwogen haben, ihm das Justizressort anzuvertrauen, eines der wichtigsten der Administration. „Scott macht einen großartigen Job“, twitterte er am Wochenende. Jene 50-Dollar-Miete sei das Marktübliche, die Reiseausgaben seien okay, fügte er ungerührt hinzu.

Apropos Reisen. Im Privatleben legt der Minister jene Sparsamkeit an den Tag, die er im Dienst vermissen lässt. Muss er Flüge aus eigener Tasche bezahlen, fand die Nachrichtenagentur AP bei ihrer Recherche heraus, begnügt er sich in aller Regel mit der Touristenklasse.