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"Mein Mandant ist kein Mörder"

"Mein Mandant ist kein Mörder"

Herr Greinert, Sie verteidigen einen Mörder - sagt jedenfalls die Trierer Staatsanwaltschaft. Was sagen Sie? Greinert: Ich sage dazu, dass mein Mandant kein Mörder ist.

Er ist absolut unschuldig.

Warum sind Sie sich so sicher, dass Ihr Mandant unschuldig ist?

Greinert: Es gibt so gut wie keine Beweise.

Ihr Mandant hat laut einem Urteil des Trierer Landgerichts aus dem Januar 1989 aber schon einmal versucht, Walter Klein zu töten. Sie haben in Ihrem Buch selbst darüber geschrieben…

Greinert: Ob er damals versucht hat, Herrn Klein zu töten, ist nicht abschließend geklärt worden. Er hat auf ihn geschossen, das war eine spontane Tat. Wir haben das als Notwehr gewertet, sind mit dieser Argumentation aber nicht durchgekommen. Es stand jedenfalls nicht fest, dass mein Mandant Walter Klein töten wollte.

Sie müssen doch zugeben, dass die Indizien nicht gerade für Ihren Mandanten sprechen?!

Greinert: Die Indizien sind zum Teil sogar falsch, was ich auch nachweisen kann. So wird etwa gar nicht in Betracht gezogen, dass Walter Klein freiwillig verschwunden sein könnte. Die Trierer Ermittler sagen: Mein Mandant hat ihn getötet. Und es heißt: Walter Klein sei zu ängstlich gewesen, um nach Luxemburg zu fahren. In der damaligen Verhandlung hat sich her-ausgestellt, dass Herr Klein Krankenschwestern geschlagen hat.

Wie optimistisch gehen Sie denn in den am übernächsten Dienstag beginnenden Mordprozess?

Greinert: Ich bin sehr zuversichtlich. Es gibt doch keine Leiche. Zwar ist eine Verurteilung wegen Mordes auch ohne Leiche möglich. Ich habe sogar auch schon mal einen Mordprozess geführt, bei dem es keine Leiche gab. Aber da gab es wenigstens Beweise. Der Täter ist auch damals verurteilt worden. Im Fall Walter Klein allerdings gibt es keine Beweise.

Wie wird denn Ihrer Einschätzung nach am Ende das Urteil lauten?

Greinert: Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich einen Freispruch erreichen werde. zur person Paul Greinert ist einer der bekanntesten Trie rer Strafverteidiger und einer der streitbarsten. Möglicherweise liegt es daran, dass der 79-jährige Jurist in seiner Jugend leidenschaftlich gerne boxte. Vor zwei Jahren veröffentlichte Greinert seine Memoiren: "Erinnerungen eines Strafverteidigers aus der Provinz".