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Merkel ruft Rösler zur Ordnung

Merkel ruft Rösler zur Ordnung

Mit seinen Einlassungen zu einer möglichen Pleite Griechenlands hat Philipp Rösler (FDP) den Zorn von Angela Merkel (CDU) auf sich gezogen. "Jeder sollte seine Worte sehr vorsichtig wägen", mahnte die Regierungschefin. Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten seien bereits "groß genug".

Berlin. Schon bei früheren Gelegenheiten waren Kanzlerin und Vizekanzler nicht gerade als ein Herz und eine Seele aufgefallen. Seit der Hoffnungsträger der Liberalen am Kabinettstisch direkt neben der Regierungschefin sitzen darf, wachsen in der CDU die Zweifel, ob Rösler seiner Aufgabe als FDP-Chef, Wirtschaftsminister und Merkel-Stellvertreter in Personalunion gewachsen ist. Überliefert ist ein bissiger Dialog aus der Sitzung des Koalitionsausschusses Ende Mai, als sich Rösler mit seinem Handy beschäftigte und Merkel rief: "Sie brauchen mir keine SMS zu schicken, Sie können direkt mit mir reden." Worauf Rösler entgegnet haben soll: "Ich höre schon zu."
Auch im aktuellen Fall war die Kommunikation gestört. Auf die Frage eines Journalisten, ob Merkel von dem presseöffentlichen Vorstoß Röslers für eine "geordnete Insolvenz Griechenlands" vorab Kenntnis bekommen habe, antwortete Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag beschwichtigend, beide stünden "in einem so ständigen Austausch über europapolitische Fragen", dass eine "Einzelabstimmung über Interviews nun wirklich nicht notwendig" sei. Von wegen. Noch kurz zuvor hatte Merkels enger Vertrauter, der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier (CDU), seine Sorge über "Äußerungen politisch direkt Verantwortlicher" im Fernsehen ausgebreitet. Damit hätte es Merkel bewenden lassen können. Doch der Ärger war so groß, dass sie in einem Interview nachlegte: "Ich glaube, wir tun Griechenland den größten Gefallen, wenn wir wenig spekulieren, sondern Griechenland ermutigen, die Verpflichtungen auch umzusetzen, die es eingegangen ist", sagte die CDU-Vorsitzende, ohne Rösler beim Namen zu nennen. Aber jeder wusste, wer damit gemeint war.
Im Rösler-Lager herrscht derweil die Auffassung vor, dass Merkel dem Vizekanzler auch mal "lange Leine" geben müsse. Dagegen heißt es in der CDU, für die Griechenland-Krise sei Rösler gar nicht zuständig. So dürfte sich die Zerrüttung der Koalition noch weiter vertiefen. vet