1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Metallfäden im Graubrot, Keime im Peeling

Metallfäden im Graubrot, Keime im Peeling

Schlankheitspillen, die krank machen, Modegetränke als Koffein- und Kalorienbombe: Die rheinland-pfälzischen Lebensmittelkontrolleure wurden auch 2012 wieder fündig. Sie entdeckten Metallfäden im Graubrot, schädliche Keime in Duschpeelings. Die Negativliste führen Kosmetika, Fertiggerichte und Zuckerwaren an.

Bei Kosmetika, Fertiggerichten und Zuckerwaren haben rheinland-pfälzische Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr am häufigsten die Nase gerümpft. Bei Kosmetika waren 26,3 Prozent der Proben nicht okay, bei Fertiggerichten 15,6 Prozent und bei Zuckerwaren 15,4 Prozent. Häufig stimmten Etikett und Inhalt nicht überein. Von knapp 21 200 Proben waren allerdings nur 26 wirklich gesundheitsgefährdend, erklärte Stefan Bent, Präsident des Landesuntersuchungssamts (LUA, siehe Extra). Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff (SPD) bilanzierte: "Die Lebensmittelsicherheit ist insgesamt sehr hoch in Rheinland-Pfalz."

Schlankheitspillen: Der Missbrauch mit Schlankheitspillen aus Asien (meist China) ist nicht auszurotten. 2012 landeten gleich drei Mittel auf den Untersuchungstischen des LUA. Meist werden die dubiosen Wirkstoffe im Internet als gesunde Nahrungsergänzungsmittel (chinesische Heilkräuter) angepriesen. "Dabei sind da knallharte Pharmaka drin", erklärte LUA-Präsident Bent. In den beanstandeten Mitteln steckte der verbotene Sattmacher Sibutramin, der den Blutdruck nach oben treibt und Herzerkrankungen auslöst. Auch das krebserregende Abführmittel Phenolphthalein war Teil des Wirkstoffcocktails. Nachdem die Lebensmittelschützer massiv Druck machten, wurden die fragwürdigen Kapseln über einen großen deutschen Internet-Marktplatz nicht mehr vertrieben.

"Bubble Tea": In der chemischen Analyse schneidet das Modegetränk des Jahres 2012 ganz mies ab. Die kunterbunten Mixgetränke haben sich als "bedenkliche Koffein- und Kalorienbomben" entpuppt, wie es beim LUA heißt. Stichproben in rheinland-pfälzischen Shops ergaben: "Fast alle entnommenen Proben waren gefärbt, aromatisiert, konserviert, enthielten viel Koffein und sehr viel Zucker", heißt es. Der Zuckergehalt lag teils bei 96 Gramm pro Liter. Das sind 32 Stück Würfelzucker. Der Koffeingehalt betrug etwa 260 Milligramm pro Liter. Zum Vergleich: Eine Tasse schwarzer Kaffee hat 80 Milligramm Koffein. Das LUA warnt: An den kleinen Kügelchen, die durch einen Strohhalm aufgesaugt werden, können Kleinkinder ersticken.

Schnaps: Methanol in hochprozentigen Spirituosen - dieser Skandal ging 2012 an Rheinland-Pfalz vorüber. Die Lebensmittelkontrolleure spürten keinen gepanschten tschechischen Alkohol auf. Der in Rheinland-Pfalz verkaufte Schnaps scheint sicher.

Obst und Gemüse: Obst und Gemüse verderben den Lebensmittelkontrolleuren des LUA kaum noch den Appetit. Nur noch 4,1 Prozent der Proben wurden im vergangenen Jahr von den Testern beanstandet. Wo früher Pflanzenschutzmittel die Beschwerdequote in die Höhe trieben, ist ein positiver Trend auszumachen, erklärte Hartloff. Noch im Jahr zuvor waren die Kontrolleure mit 4,9 Prozent der Obst- und Gemüseproben unzufrieden. Aber immerhin sinken die Mengen an einzelnen Giftstoffen.

Täuschung: Immer wieder müssen sich die Tester auch mit Fällen beschäftigen, in denen Verbraucher zwar nicht zu Schaden kommen, aber von den Herstellern in die Irre geführt werden. Wenn Nussecken nicht mit reiner Kuvertüre, sondern mit einer Mischung aus Kuvertüre und kakaohaltiger Fettglasur dekoriert werden, ist das LUA unzufrieden. Einen solchen Fall gab es 2012 - und für die Behörde war das keineswegs eine Kleinigkeit. Der Verbraucher erwarte Nussecken mit echter Kuvertüre, erklärt Behördensprecherin Kerstin Stiefel.

Keime: Sorgen machen den Verbraucherschützern verstärkt ESBL-Keime. Die haben zwei unangenehme Eigenschaften: Sie sind durch Antibiotika nicht zu bekämpfen - und sie geben ihre Widerstandskraft gegen die Arznei leicht an andere Bakterienarten weiter. Seit der EHEC-Krise werde verstärkt darauf aufgepasst, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird, erklärte der Verbraucherschutzminister. Und das ist besonders wichtig. Zwar ist noch nicht bekannt, wie oft der Kontakt oder die Besiedelung mit den ESBL-Keimen Menschen krank macht. Klar ist aber bereits, dass eine Erkrankung schlechter zu behandeln wäre, weil die wichtigsten Wirkstoffe unwirksam wären.

Tipps: Grundsätzlich raten die Verbraucherschützer zu einer gründlichen Hygiene in der Küche. Fleisch sollten Verbraucher gut durchgaren und bei der Zubereitung den Kontakt mit rohen Lebensmitteln wie Salat vermeiden. Dieselben Messer für Salat & Co. auch für die Fleischzubereitung zu benutzen, ist ebenfalls nicht ratsam. Ansonsten hilft das Altbekannte: Salate, Sprossen und Gemüse vor dem Essen gründlich waschen oder schälen.Extra

Das Landesuntersuchungsamt (LUA) besteht in seiner heutigen Form seit 2000, es ist zuständig für den Verbraucherschutz und für den Gesundheitsschutz von Mensch und Tier. Zuvor waren diese Aufgaben bei den drei Bezirksregierungen und mehreren Untersuchungsämtern angesiedelt. Im LUA arbeiten 540 Mitarbeiter - davon sind 350 für die Lebensmittelüberwachung zuständig. Lebensmittelkontroll en sind nicht Sache des LUA: Das erledigen Fachleute auf kommunaler Ebene - als Mitarbeiter der Kreisverwaltungen und der kreisfreien Städte. Im LUA, das Standorte in Koblenz, Landau, Speyer, Mainz und Trier hat, werden die Lebensmittelproben lediglich untersucht und bewertet. So funktioniert das System: Die Landesbehörde verschickt Pläne, auf denen steht, was kontrolliert werden soll. Rund 120 Kontrolleure von Landkreisen und kreisfreien Städten gehen auf die Suche; in rund 90 Prozent der Fälle laut LUA nach Risiko, also bei den bekannten Verdächtigen, in zehn Prozent nach Anlass, also etwa bei Verbraucherbeschwerden. Weitere Schwerpunkte der Arbeit im LUA sind die Diagnostik von Tierseuchen. Darum kümmert sich die Abteilung Tiermedizin, während die Abteilung Humanmedizin den Gesundheitsschutz beim Menschen im Blick hat. Lebensmittel und Wein, aber auch Bedarfsgegenstände, Arzneimittel und Kosmetika untersucht die Abteilung Lebensmittelchemie. alh