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Militär: 265 Tote bei Putschversuch in Türkei - Erdogan siegessicher

Militär: 265 Tote bei Putschversuch in Türkei - Erdogan siegessicher

Einen Tag nach dem tödlichen Anschlag von Nizza hält nun die Lage in der Türkei die Welt in Atem. Ein Putschversuch von Streitkräften kostet in einer chaotischen Nacht wenigstens 265 Menschen das Leben. Präsident Erdogan gibt sich selbstbewusst - und will Vergeltung.



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Update, 10:40 Uhr:

Der Putschversuch von Teilen der Armee in der Türkei hat nach offiziellen Angaben des Militärs mindestens 194 Menschen das Leben gekostet. Unter den Opfern seien auch 47 Zivilisten sowie 104 Putschisten, sagte der kommissarisch zum Militärchef ernannte General Ümit Dündar am Samstagmorgen. Es gebe zudem mehr als 1100 Verletzte, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich nach einer chaotischen Nacht am Samstagmorgen in Istanbul aber siegesgewiss: „Die Türkei wird nicht vom Militär regiert“, sagte er und kündigte an, das Militär „vollständig zu säubern“. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Situation in dem Nato-Land sei weitgehend unter Kontrolle.
Regierungskreisen zufolge sind mehr als 1500 mutmaßliche Umstürzler aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen worden. Fünf Generäle und 29 Oberste habe man ihrer Posten enthoben, hieß es am Samstagvormittag. Erdogan sagte, bei den Putschisten handele es sich um eine Minderheit in den Streitkräften. Die Operationen gegen sie im Armee-Hauptquartier in Ankara dauerten am Vormittag an.

Unter anderem in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul hatte es Kämpfe und schwere Explosionen gegeben. Bei Luftangriffen der Putschisten auf das Parlament in Ankara wurde das Gebäude stark beschädigt. Einem Bericht des Senders CNN Türk zufolge gab es Gefechte zwischen Polizei und Militär. Die Armee habe die Polizeidirektion beschossen. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Straßen der Hauptstadt. Yildirim hatte das Militär in der Nacht angewiesen, von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen.

Der Ministerpräsident bestellte alle Parteien für Samstagnachmittag zu einer Sondersitzung ins Parlament ein. Sowohl Erdogans islamisch-konservative Partei AKP als auch die drei im Parlament vertretenen Oppositionsparteien - CHP, MHP und die kurdische HDP - hatten sich gegen den Putschversuch gestellt. Die AKP hat seit 2002 jede Wahl in der Türkei gewonnen. Erdogan ist ein wichtiger, aber umstrittener Partner der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise.
Die Bundesregierung, die Vereinten Nationen, die USA und die EU riefen zu Gewaltverzicht auf. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen. „Die Bundesregierung unterstützt die gewählte Regierung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Das Auswärtige Amt riet allen Deutschen in Ankara und Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. Mehrere Fluggesellschaften strichen Türkei-Flüge. In den türkischen Ferienzentren war die Lage nach Angaben der Tui ruhig. Der Reiseveranstalter Thomas Cook forderte Urlauber auf, „vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben“.
In der Nacht hatten sich die Ereignisse in dem Land mit der zweitgrößten Nato-Streitmacht überschlagen. Am späten Freitagabend begannen türkische Streitkräfte mit einem Putschversuch gegen Erdogan - nach eigenen Angaben, um unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederherzustellen. Die türkische Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des Landes und hatte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Zivilregierung geputscht.

Zunächst hieß es in der Nacht, die Streitkräfte hätten die Macht in der Türkei übernommen. Das Präsidialamt bestritt dies: Erdogan sei nicht abgesetzt. „Eine Gruppe innerhalb der Streitkräfte hat außerhalb der Kommandostruktur einen Versuch unternommen, die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen.“

Erdogan rief das Volk zu öffentlichen Versammlungen gegen die Putschisten auf. Dem kamen viele Anhänger nach: Im Istanbuler Stadtteil Tophane gingen Dutzende Gegner des Putsches auf die Straße. Ein dpa-Reporter berichtete am frühen Samstagmorgen, die Menge habe unter anderem „Gott ist groß!“ und „Nein zum Putsch!“ gerufen. Der US-Fernsehsender CNN International und die britische BBC zeigten Live-Bilder aus der Stadt: Menschen strömten in Massen auf die Straße und schwenkten türkische Fahnen.

Der Präsident machte die Bewegung eines einstigen Verbündeten, des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, für den Putschversuch verantwortlich. „Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen“, sagte Erdogan am Samstagmorgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul. Erdogan und Gülen, der in der Türkei inzwischen als Terrorist gilt, hatten sich 2013 überworfen. Gülen verurteilte den Putschversuch per Mitteilung scharf.

Update 16.07.16, 9:15 Uhr
Am Hauptquartier der Gendarmerie in Ankara starben nach Angaben aus Regierungskreisen 16 mutmaßliche Putschisten.
Am frühen Morgen war zunächst von wenigstens 60 Toten die Rede gewesen. Laut jüngsten Informationen aus Kreisen der Regierung wurden nach dem Umsturzversuch inzwischen 1563 mutmaßliche Teilnehmer des Putsches aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen. Fünf Generäle und 29 Oberste seien ihrer Posten enthoben worden.

Die Regierung in Ankara bezeichnete den Versuch von Teilen des Militärs, die Macht an sich zu reißen, als gescheitert. In der Nähe des Präsidentenpalastes in Ankara gebe es aber noch Probleme, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Morgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul. In der Nähe des Palastes sollen Kampfjets Bomben abgeworfen haben.
Ministerpräsident Binali Yildirim rief das Parlament für Samstag zu einer Sondersitzung zusammen. „Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle“, sagte er. General Ümit Dündar werde kommissarisch neuer Militärchef, meldete Anadolu.

Hunderte Festnahmen bei Putschversuch in der Türkei

In der Nähe des Palastes sollen Kampfjets Bomben abgeworfen haben. Über Opfer und Schäden gab es zunächst keine näheren Angaben. Ministerpräsident Binali Yildirim rief das Parlament für Samstag zu einer Sondersitzung zusammen. „Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle“, sagte er. 754 Militärangehörige wurden nach Angaben des Justizministeriums festgenommen. Der Fernsehsender NTV berichtete über die Absetzung von fünf Generälen und 29 weiteren hohen Militärs.

General Ümit Dündar werde kommissarisch neuer Militärchef, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Wo sich der bisherige Leiter des Generalstabs, Hulusi Akar, aufhielt, war zunächst unklar. In der Nacht hatte der Ministerpräsident noch gesagt, Akar habe die Kontrolle und gehöre nicht zu den Putschisten. Ein Putschisten-General wurde nach Angaben Yildirims getötet.

Erdogan gab sich siegessicher. „Die Türkei wird nicht vom Militär regiert“, sagte er und befahl, von Putschisten gekaperte Kampfjets abzuschießen. Das Militär werde radikal gesäubert.

In den Straßen von Ankara und der Metropole Istanbul waren in der Nacht Panzer aufgefahren. Menschen rannten in Panik davon, als Schüsse abgegeben wurden und Kampfjets im Tiefflug über die Innenstädte rasten. Einige kletterten auf Panzer und stellten sich Soldaten in den Weg, wie Fernsehbilder zeigten. In Istanbul ergaben sich Soldaten an der Bosporus-Brücke, in der Nähe des Taksim-Platzes führten Polizisten Soldaten in Handschellen ab.

EU-Ratspräsident Donald Tusk äußerte sich besorgt: „Die Lage scheint unter Kontrolle, aber die Situation ist weit von einer Stabilisierung entfernt.“

Dramatische Nacht in der Türkei

Updates: Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte nach Angaben aus dem Präsidialamt: "Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle." Yildirim machte Anhänger der Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich.Ein Sprecher des türkischen Geheimdienstes MIT sagte dem Sender CNN Türk, der Putschversuch sei "abgewendet".Dramatische Stunden in der Türkei: Nach einem Putschversuch des Militärs haben sich in der Nacht zum Samstag die Ereignisse überschlagen. Es gab Berichte über Tote und Verletzte sowie schwere Explosionen. Die Lage war völlig unübersichtlich.

Türkische Streitkräfte begannen am späten Freitagabend mit einem Putschversuch gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan - einem wichtigen, aber umstrittenen Partner der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise. Das Militär übernahm nach eigenen Angaben die Kontrolle über das Nato-Land - das Präsidialamt und Regierungsvertreter bestritten dies allerdings. Erdogan rief in einem live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk das Volk zu öffentlichen Versammlungen gegen die Putschisten auf.

In Istanbul waren nach Augenzeugenberichten Schüsse in den Straßen zu hören. Kampfjets flogen im Tiefflug über die Stadt. Gegen 02.40 Uhr Ortszeit (01.40 MESZ) wurde Istanbul von einer schweren Explosion erschüttert. Der Hintergrund war zunächst unklar. Auch Stunden nach Beginn des Putschversuches waren noch Schüsse zu hören.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei einem Luftangriff der Putschisten auf das Hauptquartier der Spezialkräfte der Polizei in Ankara seien 17 Polizisten getötet worden. Außerdem sei ein Hubschrauber der Putschisten in Ankara von F-16-Kampfflugzeugen abgeschossen worden.

Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, einige Anführer des Putschversuchs seien festgenommen worden. „Die Demokratie wird gewinnen“, sagte Yildirim nach Angaben aus dem Präsidentenpalast. Die Verantwortlichen würden bestraft werden.

„Das ist ein Angriff gegen die türkische Demokratie“, teilte das Präsidialamt mit. „Eine Gruppe innerhalb der Streitkräfte hat außerhalb der Kommandostruktur einen Versuch unternommen, die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen.“

Die türkische Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des Landes und hatte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Zivilregierung geputscht.

Präsident Erdogan sagte: „Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln. Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen.“ Im Istanbuler Stadtteil Tophane zogen Dutzende Gegner des Putsches auf die Straße.

Ein dpa-Reporter berichtete am frühen Samstagmorgen, die Menge habe unter anderem „Gott ist groß“ und „Nein zum Putsch“ gerufen. Der US-Fernsehsender CNN International und die britische BBC zeigten Live-Bilder aus der Stadt: Menschen strömten in Massen auf die Straße und schwenken türkische Fahnen. Der genaue Aufenthaltsort Erdogans war in der Nacht unklar.

Nach Angaben des Senders CNN Türk kam es in der türkischen Hauptstadt Ankara zu Gefechten zwischen Polizei und Militär. Die Armee habe die Polizeidirektion beschossen, hieß es. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Straßen der Hauptstadt.

Aus Präsidialamtskreisen hieß es, Erdogan sei an einem sicheren Ort. Nähere Angaben zum Aufenthaltsort gab es zunächst nicht. Er sei nicht abgesetzt, hieß es weiter. „Der demokratisch gewählte Präsident der Türkei und die Regierung sind an der Macht.“ In einem Interview des Senders CNN Türk machte er Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich.

Das Militär verhängte derweil eine Ausgangssperre im ganzen Land. Die Ausgangssperre diene der Sicherheit der Bürger, hieß es in einer Erklärung, die Putschisten im Staatssender TRT 1 verlesen ließen.

Mit dem Putsch sollten unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden, teilte das Militär nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mit.

Einem Medienbericht zufolge hatte das Militär den Flugverkehr am Atatürk-Flughafen in Istanbul zwischenzeitlich gestoppt. Soldaten hätten den Tower am größten Flughafen des Landes am Freitagabend unter ihre Kontrolle gebracht, meldete DHA. Nach Erdogans Aufruf drangen Demonstranten auf das Flughafengelände ein, wie die private Nachrichtenagentur DHA meldete. Das Militär sei daraufhin wieder abgezogen.

US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, die demokratisch gewählte Regierung des Landes zu unterstützen. Gewalt und Blutvergießen müssten vermieden werden, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses am Freitagabend. Obama hatte zuvor mit seinem Außenminister John Kerry telefoniert, der sich derzeit in Moskau aufhält.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief zu Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen und der türkischen Verfassung auf. Die Türkei sei ein geschätzter Nato-Verbündeter, sagte Stoltenberg nach einem Telefonat mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am frühen Samstagmorgen.

Die Bundesregierung verlangte die Respektierung der demokratischen Institutionen in der Türkei. „Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden“, hieß es in einer Erklärung von Regierungssprecher Steffen Seibert, die in der Nacht zum Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurde. „Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen.“

Das Auswärtige Amt riet allen Deutschen in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul zu „äußerster Vorsicht“. „Bei unklarer Lage wird geraten, Wohnungen und Hotels im Zweifel nicht zu verlassen“, sagte eine Sprecherin in der Nacht zum Samstag in Berlin. Touristen und Geschäftsreisenden wurde empfohlen, Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluglinie aufzunehmen.

Mehrere internationale Fluggesellschaften riefen ihre Maschinen zurück oder strichen Flüge. Die Lufthansa sagte vorerst alle Flüge aus der Türkei und in das Land hinein ab. „Wir werden bis morgen Mittag 12 Uhr alle Verbindungen von und in die Türkei streichen“, sagte ein Konzernsprecher in der Nacht zu Samstag. Auch die Billigflug-Tochter Eurowings setzte alle Flüge zwischen Deutschland und der Türkei bis auf Weiteres aus. Reiseveranstalter TUI rief einen Krisenstab ein. Kunden, die in den nächsten Stunden in die Türkei fliegen wollten, könnten kostenlos ihre Reise stornieren.