Millionen für Berater

Die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH hat in den vergangenen fünf Jahren einen knapp zweistelligen Millionenbetrag für externe Berater ausgegeben. In seinem Jahresbericht 2006 hatte der Landesrechnungshof dies bereits einmal angeprangert - geändert hat sich aber seitdem nichts.

Mainz. "Berater waren beauftragt, die Gesellschaft für Beratungen mit anderen Beratern zu beraten." Diese Feststellung, bezogen auf die Jahre 2002 bis 2005, traf in seinem Jahresbericht 2006 der Landesrechnungshof, die oberste unabhängige Finanzkontrolle im Land mit Hauptsitz in Speyer. Die Prüfer rügten seinerzeit auch, dass externe Beratungsleistungen in Anspruch genommen wurden, die zu den Aufgaben der Geschäftsführung der Nürburgring GmbH gehört hätten. Ferner seien nicht in allen Fällen Ausschreibungen erfolgt.

Jahre später zeigt sich, dass diese Kritik offenbar bei den Verantwortlichen ungehört verhallt ist, obwohl sie Besserung gelobt hatten. Damals wie heute weist Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz die Vorwürfe zurück. Nach TV-Informationen wurden die Ausgaben für Berater, die von 2002 bis 2005 bei rund 600 000 Euro jährlich lagen, sogar enorm gesteigert. Die Nürburgring GmbH gehört zu 90 Prozent dem Land und zu zehn Prozent dem Kreis Ahrweiler. Das Finanzministerium ist für die Gesellschaft zuständig. Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) ist deren Aufsichtsratschef.

Honorarverträge für unliebsame Ex-Mitarbeiter



Er hat in der Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Landtags am Donnerstag mitgeteilt, dass die Nürburgring GmbH von 2003 bis 2008 insgesamt 121 Berater engagiert hat. Eine Gesamtsumme der aufgewendeten Beträge nannte der Minister in öffentlicher Sitzung nicht. Sie soll sich nach TV-Informationen auf einen knapp zweistelligen Millionenbetrag belaufen.

Konkrete Zahlen verrät der Minister öffentlich nur zu einem speziellen Projekt. So hat sich die Nürburgring GmbH nach seinen Angaben bei der Finanzierung der 252 Millionen Euro teuren Erweiterung der Rennstrecke zu einem ganzjährigen Freizeit- und Geschäftszentrum intensiv beraten lassen. Allein 730 000 Euro (20 000 im Monat) bekam der Projektbetreiber Pinebeck, der die neuen Ring-Immobilien für mehr als 160 Millionen Euro kaufen will und dieses Geschäft seit knapp drei Jahren zu realisieren versucht (der TV berichtete). Dessen Honorarzahlungen sollen laut Deubel im Erfolgsfall mit der vereinbarten Provision verrechnet werden.

Weitere 630 000 Euro erhielten Juristen und andere Experten, die zur Absicherung des Geschäfts verpflichtet wurden. Mit ihrer Hilfe soll unter anderem verhindert werden, dass die Finanziers des Projektbetreibers Pinebeck Geld waschen. Laut Finanzminister Deubel sind von ihm diesbezüglich "schärfstmögliche Kontrollen" angeordnet worden.

Pikant: Unter den insgesamt 121 Beratern - wobei die Experten für den Immobilien-Verkauf und dessen Absicherung nicht mitgezählt sind - befindet sich nach TV-Informationen auch mindestens ein in Ungnade gefallener ehemaliger Mitarbeiter. Er wurde zwar entlassen, erhielt aber offenbar im Anschluss einen Dienstleistungsvertrag. Ferner sollen auch aktuelle Angestellte der Nürburgring GmbH vormals als Berater aktiv gewesen sein.

Zur Anfrage des Trierischen Volksfreunds, auf welche Gesamtsumme sich die Kosten für die externen Berater in den genannten Jahren belaufen, gab die Nürburgring GmbH am Dienstag ebenso wenig Auskunft wie zu der Frage, ob das Engagieren von Beratern im Einklang mit den Forderungen des Landesrechnungshofes steht, weniger Berater zu beauftragen.

Die Nürburgring GmbH räumte lediglich ein, dass die jährlichen Kosten, die der Landesrechnungshof in seinem Jahresbericht 2006 auf 600 000 Euro taxiert hatte, seitdem höher liegen.

Meinung

Skandalöse Zustände

Nicht nur das Groß-Projekt "Nürburgring 2009" sorgt für Schlagzeilen, sondern immer wieder auch die Nürburgring GmbH. Diese öffentliche Gesellschaft zählt von ihrem Umsatzvolumen und ihrer Mitarbeiterzahl her zu den mittelständischen Unternehmen. Doch was in dieser Firma abläuft, würde sich wohl kein normaler Betrieb jemals leisten. In der Vergangenheit wurden nicht nur viele Millionen für unrentable Töchter verbrannt, sondern Jahr für Jahr fließen auch Unsummen für 121 (!) externe Berater. Der Steuerzahler kann dem Treiben der offenbar immer hemmmungsloser werdenden Verantwortlichen, an denen jegliche Kritik abprallt wie Regentropfen von einer Fensterscheibe, nur ohnmächtig zuschauen. Er zahlt in letzter Instanz die Zeche. Und ein Ende der skandalösen Zustände ist nicht in Sicht. f.giarra@volksfreund.de

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