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Millionen Menschen sterben wegen verpesteter Luft

Millionen Menschen sterben wegen verpesteter Luft

Die Umweltverschmutzung fordert weltweit Opfer. Hauptverursacher sind Autos und Fabriken.

Jeder sechste Tote weltweit stirbt wegen der Verschmutzung von Wasser, Luft oder Böden. Rund neun Millionen vorzeitige Todesfälle gehen auf Umweltverschmutzung zurück. Todesursachen sind vor allem Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Lungenleiden. Das geht aus einer internationalen Studie hervor, die erstmals umfassend weltweite Daten zu Todesfällen durch Umweltverschmutzung zusammenträgt. Betroffen sind vor allem Entwicklungsländer wie Indien und Pakistan. In Deutschland gehen die Forscher davon aus, dass eine belastete Umgebung zum Tod von mehr als 62.000 Menschen beitrug, was etwa 6,6 Prozent aller hiesigen Todesfälle entspricht. Die größte Gefahr geht von verschmutzter Luft aus. Bundesweit sterben deswegen pro Jahr 44.000 Menschen.

Hauptverursacher sind Abgase von Autos, Fabriken und Kohlekraftwerken, aber auch von Öfen und Heizungen. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums stößt eine durchschnittliche Ölheizung pro Jahr 5,8 Kilo gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Aus einem älteren Dieselfahrzeug kommen übers Jahr gerechnet fast zehn Kilo Stickoxide raus. Jedes Jahr sei der Verkehr für mehr als 40 Prozent der Stickoxid-Emissionen in Deutschland verantwortlich, sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne). Das habe "verheerende Konsequenzen" für die Gesundheit der Bürger sowie für die Umwelt. Laut dem Max-Plank-Institut starben im Jahr 2015 allein in Deutschland etwa 7000 Menschen durch Autoabgase. Das seien, sagt Höfken, doppelt so viele Tote wie bei Verkehrsunfällen im Jahr 2014. "Wir müssen in Zukunft zum Schutz der Gesundheit der Verbraucher sowie der Umwelt schadstofffrei fahren", fordert Höfken. Die Studie greife ein bekanntes, aber in Industrieländern verdrängtes Problem auf: "Gerade der Wohlstand der ersten Welt beruht in vielen Bereichen auf der hohen Umweltbelastung und unwürdigen, gesundheitsschädigenden Lebensbediungugen in Entwicklungsländern weltweit", so die Ministerin gestern. Auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) warnt vor den Umweltgefahren durch Luftverschmutzung. "Die überhöhten Stickoxidwerte sind kein Bagatelldelikt", sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Carl. Unzählige Menschen auch in Rheinland-Pfalz würden deswegen an Atemwegserkrankungen leiden.

Immer wieder kommt es in einzelnen Städten zu überhöhten Stickstoffdioxid-Werten. Vor allem in Mainz, Ludwigshafen und Koblenz wurden die von der EU vorgegebenen Jahresmittelwerte überschritten. In Trier lagen die Werte an den beiden einzigen Luftmessstationen in der Region unter den Grenzwerten.

Das Land hat reagiert. Mainz, Ludwigshafen und Koblenz erhalten drei Millionen Euro für Maßnahmen, um die erhöhten Stickstoffdioxid-Werte dauerhaft zu senken. Höfken kündigt an, einen Zukunftsfonds Mobilität aufzulegen. Damit soll die Elektromobilität im Land gefördert werden.

Jeder müsse sich fragen, wie er mit seinem Verhalten zur weltweiten Umweltverschmutzung beitrage und was er persönlich dagegen tun könne, sagt Roland Horne, Leiter der Landeszentrale für Umweltaufklärung.

Info: Verschmutzte Luft, verunreinigtes Wasser

(dpa) Luftverschmutzung hat nach Erkenntnissen der internationalen Forscher die mit Abstand gravierendsten gesundheitlichen Folgen. Sie hing 2015 mit 6,5 Prozent der neun Millionen Todesfälle zusammen und trägt vor allem zu Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen bei. Zudem starben 1,8 Millionen Menschen, weil sie sich durch verschmutztes Wasser Parasiten und Verdauungsprobleme zugezogen hatten. Schadstoffe am Arbeitsplatz und Bleivergiftungen trugen demnach zusammen zu weiteren 1,3 Millionen Todesfällen bei.