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Missbrauch: Kirchenjustiz ermittelt gegen 16 Trierer Bistumspriester

 Dom und Liebfrauenkirche
Dom und Liebfrauenkirche FOTO: Bistum Trier
Trier. Wegen möglichen Missbrauchs Minderjähriger ist in den vergangenen zwei Jahren gegen 16 Trierer Bistumspriester eine kirchenrechtliche Untersuchung eingeleitet worden. Im schlimmsten Fall droht den Klerikern der Rauswurf. Rolf Seydewitz

Liegt es an der harten Hand des katholischen Missbrauchsbeauftragten Stephan Ackermann? Oder ist die Zahl der Missbrauchspriester in seinem Heimatbistum höher als in anderen Diözesen? Seit Februar 2010 wurden im Bistum Trier gegen 16 der insgesamt 700 Priester sogenannte kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet. Dabei geht es um eine mögliche Bestrafung der Geistlichen durch die katholische Kirche. Nach Angaben von Bischofssprecher Stephan Kronenburg sind neun Verfahren "seitens des Bistums abgeschlossen"; die Abschlussberichte gingen nun an die Glaubenskongregation in Rom. Dort werde über das weitere Vorgehen entschieden, sagte Kronenburg unserer Zeitung.

Zu den möglichen Sanktionen gehört auch die Entlassung aus dem Klerikerstand, wie der Rauswurf eines Priesters offiziell heißt. Eine Bestrafung, die in deutschen Bistümern offenbar die Ausnahme ist. Gerade einmal zwei Missbrauchspriester sollen nach Medienberichten laisiert worden sein.

Nach Angaben von Ackermann-Sprecher Stephan Kronenburg sind alle im Bistum Trier eingeleiteten kirchenrechtlichen Verfahren strafrechtlich verjährt. Heißt: Vor einem weltlichen Gericht müssen sich die Geistlichen nicht mehr fürchten. Elf der 16 Bistumspriester seien bereits im Ruhestand.

Ob die Öffentlichkeit von den wohl demnächst verhängten ersten Strafen etwas erfahren wird, ist fraglich. Laut Kronenburg sollen aber "die Opfer auf jeden Fall informiert werden".

Ein Sprecher der Initiative "Wir sind Kirche" forderte, ehemalige Täter müssten aus jeder sakramentalen und seelsorgerischen Tätigkeit abgezogen werden. Da dürfe es kein Pardon geben. Der neue Kölner Generalvikar Stefan Heße hatte kürzlich gesagt, er halte es für möglich, dass die deutschen Bischöfe bald dem Beispiel ihrer amerikanischen Kollegen folgen würden. In den USA werden Missbrauchspriester entlassen. Dies lehnt der Trierer Bischof bislang ab. Stephan Ackermann war zuletzt wegen der Weiterbeschäftigung mehrerer Missbrauchspriester in die Kritik geraten.