Mister Kim

Waren es nur zwei Buchstaben, die Nordkorea im Konflikt um die nukleare Aufrüstung des Landes wieder gesprächsbereit gemacht haben?

Waren es nur zwei Buchstaben, die Nordkorea im Konflikt um die nukleare Aufrüstung des Landes wieder gesprächsbereit gemacht haben? Vor wenigen Tagen bezeichnete US-Präsident Bush den nordkoreanischen Diktator Kim Il Jong erstmals als "Mr." Kim, was aus amerikanischer Sicht eine deutlich höflichere Version ist, als den Despoten nur einen "kleinen Idioten" (O-Ton Bush aus früheren Zeiten) oder "gefährlichen Tyrannen" zu nennen. Nun ist aus Pjöngjang und Washington zu hören, dass Nordkorea nach fast einem Jahr der Verweigerung zu den so genannten Sechser-Gesprächen zurückkehren will, bei denen die USA nach einem Weg zur Beseitigung der vermutlich bereits vorhandenen nordkoreanischen Nuklearwaffen suchen will. Wesentlich wirksamer als die freundlichen Worte Bushs dürfte allerdings die Ankündigung von US-Regierungsmitgliedern gewesen sein, Nordkorea im Falle der weiteren Verweigerung "rasch" vor die Vereinten Nationen zu zerren, um dort über Sanktionen der internationalen Gemeinschaft beraten zu lassen. Auf Dauer wird sich diese Drohung allerdings nur als wirksam erweisen, wenn China – mit dem engsten Kontakt zu Pjöngjang – Kim Il Jong klar macht, dass es eventuelle Strafmaßnahmen nicht mit einem Veto abwenden würde. Doch China ist in diesem Konflikt ebenso unberechenbar wie "Mr. Kim". Was bleibt den USA also als langfristige Option? Vermutlich doch nur dass, was Nordkorea bereits als wichtigstes Ziel hat durchblicken lassen: Zweier-Verhandlungen mit einem bisher dazu nicht bereiten Washington – mit der Absicht, einen Nichtangriffs-Pakt und Wirtschaftshilfen gegen das Unterlassen der weiteren nuklearen Aufrüstung einzutauschen. nachrichten.red@volksfreund.de