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Mister Mittelstand, Sportfunktionär und Strippenzieher

Mister Mittelstand, Sportfunktionär und Strippenzieher

Er galt lange Zeit als einer der einflussreichsten Politiker der Region: Peter Rauen aus Salmrohr (Bernkastel-Wittlich). Er saß für die CDU im Landtag, war Bundestagsabgeordneter, Mittelstandschef seiner Partei und nebenbei noch Sportfunktionär und Bauunternehmer. Heute wird Peter Rauen 70 Jahre alt.

Salmtal. Sein Spitzname ist Bubb. Und der steht für eine gewisse Bodenständigkeit, die Peter Rauen aus Salmrohr trotz seiner langjährigen politischen Tätigkeit, zum Teil in vorderster Front, im Ruhestand geblieben ist. "Einer von euch" statt abgehoben zu sein, so präsentiert sich "Mister Mittelstand", wie er gerne genannt wird, auch noch heute.
Nach Abitur, Maurerlehre und Bauingenieur-Studium übernahm Rauen mit 21 die elterliche Baufirma, im gleichen Jahr trat er in die CDU ein. Acht Jahre später wurde er auf Anhieb Kreisvorsitzender der Jungen Union Bernkastel-Wittlich, später deren Bezirkschef. Der Beginn einer politischen Karriere eines durchaus streitbaren Eifelers.
Jahrelang Mitglied in diversen kommunalen Räten sowie CDU-Kreis- und Bezirksvorsitzender gelang ihm 1983 der Sprung in den Landtag. Vier Jahre später wurde er dann Bundestagsabgeordneter bis 2009. Er war stellvertretender Fraktionschef und gehörte dem CDU-Bundesvorstand und dem Präsidium an. Als Chef der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung (1997 bis 2005) setzt er sich schon früh für einen Mindestlohn ein. Als Mittelständler wisse er, dass ein Unternehmen nur erfolgreich sein könne, wenn die Mitarbeiter zufrieden seien und sich von ihrem Lohn ernähren können, sagte Rauen damals gegen die breite Mehrheit seiner Partei. Er galt jahrelang als einer der einflussreichsten Politiker in der Region.
Eine politische Niederlage erlitt er 2004. Er forderte den damaligen CDU-Landesvorsitzenden Christoph Böhr (Trier) zu einer Mitgliederbefragung um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2006 heraus. Rauen verlor und zog seine Kandidatur zurück. Christoph Böhr fuhr mit 32,8 Prozent bekanntermaßen das schlechteste Ergebnis seiner Partei ein, SPD-Kandidat Kurt Beck blieb Ministerpräsident.
Rauen war nicht nur Politiker, sondern auch Sportfunktionär. Von 1971 bis 1999 war der einstige Fußballer Präsident des FSV Salmrohr, brachte seinen Heimatverein von der Kreisklasse in die zweite Bundesliga, was ihm als Präsident von Regionalligist Eintracht Trier (1999 bis 2001) nicht gelang. Schlagzeilen machte der leidenschaftliche Skatspieler auch als Bleifuß. Neun Mal musste er wegen erheblicher Geschwindigkeitsübertretungen Geldstrafen zahlen, zwei Mal seinen Führerschein abgeben.
Heute sei er ruhiger geworden, sagt er. Nicht nur auf der Straße. Auch im Politischen und im Privaten. Alles habe seine Zeit, sagt Rauen und meint damit seine politische Karriere. Er melde sich nur noch zu Wort, wenn er um Rat gefragt werde. Als junger Politiker habe er auch keine unerbetenen Ratschläge haben wollen. Daran halte er sich. Und privat spielt er wieder Fußball - mit seinen vier Enkeln. wie