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Mister Tacheles begibt sich auf Aufholjagd

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Washington. Das Feld der Bewerber um die US-Präsidentschaft wird im Lager der Republikaner noch größer. Mit New Jerseys Gouverneur Chris Christie stieg am Dienstag der 14. Kandidat offiziell ins Rennen um die Nominierung bei den republikanischen Vorwahlen ein. Frank Herrmann

Washington. Vielleicht findet Chris Christie heimlich Gefallen daran, wenn man ihn mit Tony Soprano vergleicht, dem Protagonisten einer legendären Fernsehserie. Der dirigierte zwar ein kriminelles Kartell, aber so wie ihn der schwergewichtige James Gandolfini spielte, stand er eben auch für Gefühle, Familiensinn und die Neigung, die Dinge bei Namen zu nennen. Eben für New Jersey. Den Bundesstaat im Schatten New Yorks, den die Bewohner der Weltmetropole gern belächeln und der umso trotziger seinen rustikalen Charme zelebriert.
Christie, der einmal um die 180 Kilo auf die Waage brachte, bevor ihm Ärzte ein Band um den Magen legten, um die Nahrungszufuhr zu beschränken, hat daraus eine schlichte Zeile für seinen Wahlkampf gestrickt. "Sag es, wie es ist."
Der Gouverneur New Jerseys ist der 14. Kandidat, der sich in den Reihen der Republikaner fürs Weiße Haus bewirbt. In den Umfragen liegt er weit hinten, nur sind Umfragen bekanntlich Schall und Rauch, zumal in diesem frühen Stadium. Christie, der bei jeder Gelegenheit von seiner sizilianischen Mutter erzählt, versteht sich aufs Streiten. Seine Schlagfertigkeit könnte Kontrahenten, allen voran dem eher behäbig wirkenden Jeb Bush, noch schwer zu schaffen machen. Wenn Anfang August in Cleveland die erste Kandidatendebatte der Konservativen über die Bühne geht, wittert er seine Chance. Sein Team jedenfalls vergleicht ihn mit einem Rennfahrer, der wegen einer Panne früh zum Boxenstopp musste, nun aber kräftig aufs Gaspedal tritt und das Feld von hinten aufrollt.Image hat Schaden genommen


Dabei ist es noch keine drei Jahre her, da galt er als Favorit des Rennens 2016. Der Wirbelsturm Sandy war mit verheerender Kraft über die Küste New Jerseys gezogen, aus Washington schwebte Barack Obama in der Rolle des Krisenmanagers ein, Christie fand lobende Worte für den Präsidenten. Wenige Tage vor der Wahl behandelten ihn manche seiner Parteifreunde daraufhin wie einen Nestbeschmutzer, vom Normalverbraucher indes bekam er Applaus. Damals wie heute sehnt sich Amerika nach Politikern, die den Brückenschlag über Parteienschluchten suchen. Christie also schien drauf und dran, zum Zugpferd der konservativen Mitte zu werden.
Im Herbst 2013 wurde er mit klarer Mehrheit im Amt bestätigt, ein Republikaner, der sich in einem traditionell den Demokraten zuneigenden Staat zu behaupten wusste. Es lief gut für ihn, bis ihn Bridgegate als verbissenen Machtmenschen dastehen ließ.
Um einen Bürgermeister zu bestrafen, der nicht nach der Pfeife des Gouverneurs tanzte, löste dessen Stab einen haarsträubenden Megastau aus. An einer Zufahrt zur George-Washington-Brücke, die New Jersey mit Manhattan verbindet und zu den meistbefahrenen des Landes zählt, ließ man kurzerhand mehrere Fahrbahnen sperren. Allein aus Rachemotiven, wie bald herauskam. Und obwohl keiner Christie persönlich etwas nachweisen konnte, blieb ein fader Nachgeschmack.
Auch sein sorgsam gepflegtes Sanierer-Image hat mittlerweile Schaden genommen. Das Steueraufkommen New Jerseys hält nicht Schritt mit den Pensionsverpflichtungen, die der Staat für seine öffentlich Bediensteten eingegangen ist. Dabei hatte Christie einst damit geprahlt, das Problem ein- für allemal gelöst zu haben. Auf typisch hemdsärmelige Art hatte er sich mit der Lehrergewerkschaft angelegt, um Pädagogen die Pensionen zu kürzen. Die Konservativen feierten ihn dafür wie einen Helden: Der alte Stratege Henry Kissinger erklärte in kleiner Runde, der Mann wisse zwar nichts über Außenpolitik, dafür besitze er tonnenweise Courage.
Das lokale Wirtschaftswunder, das Christie versprach, lässt allerdings auf sich warten. "Mister Tacheles", sagen die Kritiker, verstehe sich eigentlich nur aufs Sprücheklopfen.Extra

Nach dem spanischsprachigen Fernsehsender Univision hat auch der TV-Sender NBC seine Zusammenarbeit mit dem Milliardär und US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (69) wegen dessen fremdenfeindlichen Äußerungen beendet. Die Wahlen zur Miss USA und Miss Universe, die Trump produziert, würden nach seinen "herabwürdigenden Äußerungen" künftig nicht mehr bei NBC ausgestrahlt, teilte der Sender am Montag mit. Trump hatte zuvor bereits angekündigt, nicht mehr bei der Show "The Apprentice" (der Lehrling) mitzumachen. Das bestätigte NBC nun. Trump gab Mitte Juni bekannt, sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner zu bewerben. In seiner Rede sprach er abfällig über mexikanische Einwanderer in den USA. "Sie bringen Drogen, Verbrechen, Vergewaltiger", sagte der Immobilienunternehmer. dpa