Mit Glück oder Geld zu WM-Tickets

Mit Glück oder Geld zu WM-Tickets

TRIER. (DiL) Zum reinen Vabanque-Spiel wird die heute beginnende "Team-Runde" bei der Verlosung von Karten für die Fußball-WM 2006. Besonders solvente Fans können allerdings Edel-Tickets direkt und ohne lästige Lotterie bestellen – ganz legal, ab 600 Euro aufwärts.

Wenn heute um Punkt 12 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit die zweite Internet-Verlosungsrunde für WM-Tickets frei geschaltet wird, dürfte sich der Ansturm zunächst in Grenzen halten. Denn angeboten sind keine Karten für einzelne Spiele, sondern "Team Specific Tickets", also Pakete von drei bis sieben Spielen einer bestimmten Mannschaft.Der Haken: Die Kontingente von Mannschaften wie Deutschland, Argentinien, Brasilien, England oder Holland sind seit der ersten Runde schon vergriffen. Für Spekulanten könnte es sich trotzdem rentieren, Tickets zu ordern, denn das komplizierte Vergabesystem beschert ihnen bei einem Vorrunden-Aus für die gebuchte Mannschaft plötzlich Chancen auf attraktive Finalrunden-Spiele. Ein zusätzliches Problem ist freilich der Umstand, dass noch gar nicht feststeht, ob die Mannschaften, deren Spiele man "einkauft", sich überhaupt für die WM qualifizieren.

Unterdessen wird zunehmend bekannt, dass es neben dem mit mäßigen Aussichten verbundenen Verlosungsverfahren für "normale" Fußball-Interessierte auch andere legale Zugangsmöglichkeiten zu Karten gibt. Der von der Fifa lizensierte Anbieter ISE bietet über die offizielle WM-Homepage so genannte "Hospitality"-Programme an. Gegen entsprechend Bares sind dort VIP-Tickets für alle Stadien und alle Spiele samt Catering und Parkplatz zu erwerben. Preiswertere Matches, etwa in Kaiserslautern, sind ab 600 Euro pro Platz zu haben, allerdings nur in größeren "Paketen". Wer ein Ticket-Set inklusive Endspiel haben will, ist schnell mit dem Preis eines Mittelklassewagens dabei. "Wir verkaufen an Privatleute genau so gut wie an Firmen", sagt ISE-Manager Peter Bsanadi. Für seine "Hospitality"-Kunden stehen ihm knapp zwölf Prozent aller WM-Karten zur Verfügung - ein riesiges Kontingent. Aber schon ein Drittel ist verkauft. "Bei uns gibt's eben keine Lotterie", sagt Bsanadi.

An der Lotterie vorbei will auch Ebay seine Karten ersteigern - ein Problem, das die Fifa offenbar nicht in den Griff bekommt. Die mögliche Lösung: eine legale, kontrollierte Tauschbörse, wie sie der Ticketverkäufer-Konzern "CTS Eventim" vorgeschlagen hat. Verbraucherschützer nehmen derweil das WM-Organisationskomitee ins Visier. Mit seinem Vergabesystem habe die Fifa "genau jenen Schattenmarkt geschaffen, den man eigentlich verhindern wollte".

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