Mit Gott und Geld gegen Obama

Die US-Republikaner suchen angestrengt nach einem Präsidentschaftskandidaten, der dem demokratischen Amtsinhaber Barack Obama im anstehenden Wahlkampf Paroli bieten kann. Favoriten sind religiöse Fundamentalisten wie Rick Perry.

Washington. Er trägt Cowboystiefel mit Monogramm, hat in George W. Bush sein großes politisches Vorbild und will "mit Gottes Hilfe" Barack Obama im kommenden Jahr aus dem Weißen Haus treiben, um so "das Ansehen der USA wiederherstellen."
Der Cowboyhut liegt im Ring


Seit Rick Perry, der 61jährige Gouverneur von Texas, am Samstag offiziell seine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner erklärt hat, sind die Ergebnisse der ersten Probeabstimmung am gleichen Tag im Bundesstaat Iowa - wo Perry nicht vor Ort war - nahezu Makulatur. Denn die US-Medien sind sich weitestgehend einig: Mit Perrys "Yes I will" sind die Karten neu gemischt worden. Und wer in der "Grand Old Party" kürzlich noch als Mitfavorit für die in knapp fünf Monaten beginnenden offiziellen Vorwahlen galt, könnte sich schnell abgeschlagen wiederfinden.
So wie beispielsweise der Mormone und frühere Organisator der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City, Mitt Romney.
Romney nicht mehr lange vorn?


Der Millionär aus Massachusetts, der schon vor vier Jahren bei den Vorwahlen scheiterte und John McCain das Feld überlassen musste, landete beim sogenannten "Straw Poll" in Iowa - im Rahmen einer Landwirtschaftsmesse mit Rindviechern und Hot-Dog-Ständen abgehalten - ebenso am Ende der Liste wie der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Partei-Urgestein Newt Gingrich.
Romney liegt zwar landesweiten Umfragen zufolge noch vorn, doch das könnte sich schnell ändern. Denn unter Amerikas Konservativen redet man derzeit vor allem über zwei Figuren: Die Tea- Party-Vertreterin Michelle Bachmann, die in Iowa das Testvotum unter rund 17 000 Bürgern als Erste beendete, und eben Rick Perry. In dessen Antrittsrede im Bundesstaat South Carolina stellte sich der begeisterte Jäger und Befürworter der Todesstrafe als konservativer Christ dar, dessen Talent vor allem auf einem für den Wähler ganz besonders wichtigen Gebiet liege: der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik.
Seit elf Jahren als Gouverneur im Amt, hat in Texas unter Perry so etwas wie ein Beschäftigungswunder stattgefunden. Eine Viertelmillion neue Arbeitsplätze in den vergangenen 24 Monaten - während Obamas große Last neben der Staatsverschuldung mittlerweile eine Beschäftigungslosen-Quote ist, die USA-weit partout nicht unter neun Prozent sinken will.
Kein Wunder also, dass Perry nun große Worte findet: Es sei Zeit, den Leuten im Weißen Haus die Entlassungspapiere zu geben, sagt er. Und: "Es ist Zeit, die Amerikaner wieder ans Arbeiten zu bringen."
Dass in Texas die neuen Jobs vor allem schlecht bezahlte Stellen mit einem staatlichen Mindestlohn sind, verschweigt Perry aber wohlweislich. Stattdessen betont er seine konservativen Grundwerte - wie etwa die Ablehnung von Homo-Ehe oder Abtreibung.
Seine große Stärke ist jedoch, wie jetzt die New York Times analysierte, neben der Attraktivität für gottesfürchtige Erzkonservative und Spar-Fans aus der Tea-Party-Bewegung die Fähigkeit, landesweit schnell Millionenbeträge an Parteispenden generieren zu können.
Denn mögen die Reden noch so wohlklingen: Wer in den USA am Ende eine reale politische Chance haben will, braucht aufgrund des langen und kostenintensiven Wahlkampfs neben Charisma vor allem eines: Geld.
Meinung

Der Anti-Obama
Alles bekannte Gesichter - und niemand besonders aufregend. So konnte man bisher das Feld jener Männer und Frauen beschreiben, die sich in den USA um die Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bewerben. Doch seit der Texaner und Bush-Verehrer Rick Perry am Wochenende seinen Cowboy-Hut in den Ring geworfen hat, ist plötzlich alles anders. So sehen es jedenfalls die US-Medien, die dem Gouverneur gute Chancen zusprechen, von seiner Partei die Nominierung zu erhalten. Perry sei attraktiv und glaubwürdig für die konservative Basis, heißt es. Er könne - wie kürzlich bei einer Gebetsveranstaltung - die Massen mobilisieren und habe keine Probleme, das politische Duell gegen Obama zu finanzieren. Doch wird da vielleicht etwas zu viel Wind um die langfristigen Chancen eines Mannes gemacht, der es extrem schwer haben wird, beim Kopf-an-Kopf-Kampf mit Obama die so wichtige Schicht der Wechselwähler anzusprechen? Wenn Perry sagt, er liebe Bush und sehe ihn als politisches Vorbild, könnte allein schon dies ihn in den Augen politisch Unabhängiger disqualifizieren. Auch wenn Schulden-Rekordhalter Barack Obama derzeit jede Menge Probleme hat und weit hinter seinen Wahlkampf-Versprechen zurückgeblieben ist - einen Bush-Klon mag sich die Mehrheit in Amerika wohl kaum wünschen. Perry könnte sich als "Anti-Obama" zwar die Rückendeckung der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung sichern, doch dieser Flügel allein wird nicht die nächsten Wahlen entscheiden. Es ist vielmehr die breite Mitte des Landes, der allzu extreme Positionen schon immer suspekt waren - und die sind in der Agenda des Texaners unübersehbar. nachrichten.red@volksfreund.de