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Mit Kinderschuhen und Plastikembryos gegen Abtreibung

Dieser Plastikembryo wird ab Mitte kommender Woche an 20 000 Trie-rer Haushalte verschickt. TV-Foto: Roland Grün
Dieser Plastikembryo wird ab Mitte kommender Woche an 20 000 Trie-rer Haushalte verschickt. TV-Foto: Roland Grün
Trier. Mit einer aufsehenerregenden Aktion wollen katholische Abtreibungsgegner an diesem Samstag in Trier für das Lebensrecht ungeborener Kinder demonstrieren. Doch selbst beim Trierer Bischof hält sich die Begeisterung in Grenzen. Rolf Seydewitz

In Sichtweite des Doms, auf dem Hauptmarkt zwischen Marktkreuz und Gangolfkirche, werden Mitglieder des baden-württembergischen Vereins Durchblick an diesem Samstagvormittag gegen die Abtreibungspraxis in Deutschland zu Felde ziehen. Die Kundgebung wird vom Trierer Bündnis für Lebensrecht und Menschenwürde und vom Regionalverband der Aktion Lebensrecht für alle unterstützt.

Dabei sollen zwei Frauen über "ihre traumatischen Erfahrungen nach einer Abtreibung berichten", heißt es in einer Pressemitteilung der Organisatoren. Sie wollen auf dem Hauptmarkt 650 Paar Kinderschuhe aufstellen, die für die 325 "durchschnittlich jeden Monat in Rheinland-Pfalz abgetriebenen Kinder" stehen sollen.

In der kommenden Woche will der sich nach eigenen Angaben "für die Verkündigung des katholischen Glaubens sowie für das Lebensrecht" einsetzende Verein dann an 20 000 Trierer Haushalte ein fünf Zentimeter großes Embryomodell aus Plastik schicken. "Es zeigt ein ungeborenes Kind im Alter von zehn Wochen", sagt Durchblick-Vorsitzender Thomas Schührer, "und soll auf die Tatsache aufmerksam machen, dass auch das ungeborene Kind bereits ein vollwertiger Mensch ist."

Bei der Beratungsstelle Pro Familia stößt die Aktion auf scharfe Kritik. "Dieser Verein vermittelt ein Bild, das der Wirklichkeit nicht entspricht", sagt die Trierer Geschäftsführerin Claudia Heltemes und kritisiert, dass Frauen stigmatisiert und zusätzlichem Druck ausgesetzt würden. Die Abtreibungen seien in Deutschland seit Jahren rückläufig. Und es gebe keine Untersuchung, die bestätige, dass Frauen die Abtreibung als Trauma erlebten. "Auch aus unserer Betreuungspraxis ist mir das nicht bekannt."

Selbst die katholische Kirche geht merklich auf Distanz zu den radikalen Lebensschützern. Zwar trete Bischof Stephan Ackermann "selbstverständlich für den Schutz des ungeborenen Lebens ein", sagt sein Sprecher André Uzulis. Doch "ob die von dem Verein praktizierte Art der Schocktherapie ein geeigneter Beitrag zur Abtreibungs-Diskussion ist, sei dahingestellt". Im Übrigen handele es sich bei den Organisatoren um einen bürgerlichen Verein und nicht um eine katholische Organisation.

Laut Durchblick-Chef Schührer findet die Trierer Kundgebung auf Einladung der örtlichen Lebensrechtler statt. Sämtliche Kosten würden ausschließlich durch Spenden finanziert.
Nach der Wahrnehmung von Pro-Familia-Geschäftsführerin Claudia Heltemes treten Abtreibungsgegner bundesweit wieder häufiger in Erscheinung. "Es gab sie zwar immer, aber es nimmt wieder zu." Extra

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 107 000 Schwangerschaftsabbrüche gemacht. Unter den Frauen waren 3933 Rheinland-Pfälzerinnen. Die meisten Abbrüche wurden bis zur achten Schwangerschaftswoche vorgenommen. Seit der gesetzlichen Neuregelung 1996 geht die Zahl der Abbrüche zurück. Damals hatten Frauen noch 130 899 Schwangerschaften abgebrochen. sey