Mit Sprengstoff

Der demografische Wandel ist in der Landesplanung angekommen. Was sich so verwaltungstechnisch-spröde und unspannend anhört, könnte in den nächsten Jahren noch in mancher Kommune für ordentlich Sprengstoff sorgen.

Was es konkret heißt, wenn in einem Ort auf ein Neubaugebiet verzichtet werden muss, Zuschüsse nur für gemeinsame Sportanlagen fließen, oder ein Gewerbegebiet nur als interkommunales Projekt eine Chance hat, wird die politische Wirklichkeit noch zeigen. Noch mancher erzwungene Sprung von Gemeinderäten über den eigenen Schatten dürfte dabei fällig werden. Auch was die Aufgabenteilung bei Versorgung mit Ärzten, Apotheken und Geschäften angeht, war bislang oft mehr Kirchturmdenken als Kooperation anzutreffen. Erst recht wird der zu erwartende Streit um zentrale Standorte für Kindergärten und Schulen bei weiter rapide sinkenden Nachwuchszahlen für heftige Diskussionen sorgen. Dies alles mag mit ein Grund gewesen sein, dass künftig das Land strengere landesplanerische Vorgaben machen will, um sich mehr Mitsprache zu sichern und zumindest die großen Linien vorzuzeichnen. In noch mehr Fällen als bisher ist eine Gratwanderung zwischen kommunaler Eigenverantwortung und den Belangen des Landes zu erwarten. Vermutete regionale Entwicklungschancen und Gesamtinteresse werden sich noch oft genug beißen. Doch rückläufige Bevölkerungszahlen, leere Kassen und auch eine gewisse Solidarität mit besonders betroffenen Räumen lassen kaum einen anderen Weg zu. Der Landesentwicklungsplan wird die Anhörungen sicherlich nicht unverändert überstehen. An seiner Neuausrichtung wird Mainz jedoch kaum rütteln lassen. j.winkler@volksfreund.de

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