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Mit Strohhut amerikanische Politik erklären: Der US-Generalkonsul James Herman im Gespräch (Video)

Mit Strohhut amerikanische Politik erklären: Der US-Generalkonsul James Herman im Gespräch (Video)

US-Generalkonsul James Herman hat den Trierischen Volksfreund besucht – ein Gespräch über ungewöhnliche Kurznachrichten, die aktuelle deutsch-amerikanische Beziehung und einen Präsidenten, der öffentlich dazulernt.

Die Bilder ähneln sich. Das war's aber auch schon. Ein schwarzer, gepanzerter Riesen-SUV stoppt vor dem Eingang zum Medienhaus, Bodyguards checken die Lage, ehe einer der mächtigsten Männer, den die USA nach Europa entsandt haben, in verblüffend legerer Kleidung aussteigt: James Herman, der Generalkonsul aus Frankfurt am Main, Chef von mehr als 1000 Angestellten, Leiter der weltweit größten US-Auslandsvertretung.

Kurz vor Ostern 2015, es war zurzeit Obamas, besuchte Generalkonsul Kevin C. Milas (mit Filzhut und Karohemd) die Redaktion des Trierischen Volksfreunds - und das konfliktträchtigste Thema war das transatlantische Handelsabkommen TTIP.

Kurz vor Pfingsten 2017 besucht Milas Nachfolger, Generalkonsul James Herman (mit Strohhut und Karohemd), die Redaktion des Trierischen Volksfreunds. TTIP ist längst tot. Während die Welt sich noch amüsiert wundert, was US-Präsident Donald Trump wohl mit seinem bisher kryptischsten Tweet (#covfefe) sagen will und sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen von Kurznachricht zu Kurznachricht zu verschlechtern scheinen, rückt Trump mit der Absage an das Klimaabkommen ein Stück näher an den Abgrund. Wie schwierig ist es, die Politik dieses Präsidenten zu erklären?

Das sei Teil des Jobs, sagt Herman. Man müsse sich daran erinnern, dass Präsidenten sehr unterschiedliche Stile hätten, sehr unterschiedliche Menschen seien. Fast jeder - außer vielleicht dem ersten George Bush - habe in den ersten Monaten mit seinem Amt gerungen. "Präsident zu sein ist unglaublich schwierig", sagt der Generalkonsul. Und er glaube, Präsident Trump lerne - anders als seine Vorgänger - in aller Öffentlichkeit. Die meisten hätten dies lieber im Stillen getan. Barack Obama beispielsweise sei viel introvertierter und vorsichtiger gewesen in dem, was er sagte. "Präsident Trump liebt das Twittern und auszusprechen, was ihm durch den Kopf geht", sagt Herman.
Einfacher macht das die Arbeit eines Profi-Diplomaten aber wohl kaum, oder?

"Ich weiß nicht, ob es meinen Job schwieriger macht. Es macht ihn interessanter", sagt Herman und lacht. Trump sei der erste Präsident, der wisse, wie man soziale Medien nutzt.

Aber ist es für einen Diplomaten denn nicht beunruhigend, zu sehen, welche Reaktionen der Präsident mit seiner Art in Deutschland hervorruft? "Nein", sagt Herman. Klar, Trump habe eine deutliche Botschaft an die Nato. Doch das meiste, was er sage, sei an seine Basis gerichtet. So wie auch Kanzlerin Merkel sich an ihre Basis richte.

Man dürfe dem nicht zu viel Bedeutung beimessen - es passiere so viel mehr in den bilateralen Beziehungen. "Wir blicken zurück auf 70 großartige Jahre deutsch-amerikanischer Partnerschaft", betont Herman. Nichts habe sich verändert. "Diese Partnerschaft ist unglaublich wichtig, und sie wird weiter bestehen."

Da werde derzeit nur freiheraus gesprochen. Es wäre ein Fehler, das persönlich zu nehmen. So sei der Präsident einfach, sagt der Generalkonsul, ehe er die Deutschen mit Lob überhäuft: für ihren wirtschaftlichen Erfolg, ihr Bildungssystem, ihren besonnenen Umgang mit der terroristischen Bedrohung.

Auch die deutsche Flüchtlingspolitik schätzt er (und liegt damit nicht so ganz auf Trumps Linie): Es habe ihn zutiefst beeindruckt, dass die Kanzlerin den Flüchtlingen die Türen öffnete. "In 20 Jahren wird Deutschland zurückschauen und denken: Wow, wir haben das Richtige getan."

Er sage das, weil Immigranten auch die USA stärker und besser gemacht hätten (ob Herman Ärger kriegt, wenn Trump den Volksfreund liest?). Auch die spontan wenig erfreut wirkende Reaktion auf die Nachricht, dass sein Präsident den Klimavertrag kündigen könnte, offenbart, dass Diplomaten und Präsidenten sich nicht immer einig sind (es gebe viele gute Gründe für die USA, zu dem Pariser Vertrag zu stehen, sagt Herman), und in Staaten wie Kalifornien bemühe man sich sehr um den Klimaschutz. Aber gut. Präsidenten gehen. Profi-Diplomaten bleiben. Herman blickt auf mehr als zwei Jahrzehnte im Dienst der amerikanischen Regierung zurück. Und auf mehr als einen Präsidenten. Info

Das US-Generalkonsulat

Das US-Generalkonsulat in Frankfurt ist zuständig für Zigtausende US-Bürger, die in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland leben - theoretisch steht der Konsul selbst über den Kommodores der US-Luftwaffenstützpunkte. Die Behörde stellt Pässe und Geburtsurkunden aus, nimmt Steuererklärungen an oder hilft in Notlagen, sie koordiniert aber auch diplomatische Einsätze in Afrika oder dem Nahen Osten. So werden in Frankfurt in einem riesigen Lager Möbel und Büromaterial für Botschaften in Afrika oder Asien gelagert.

Das Generalkonsulat war nach Wikileaksenthüllungen in die Schlagzeilen geraten, weil es der CIA angeblich als geheime Basis für Spähaktionen dient. Der Generalkonsul äußert sich zu diesen Vorwürfen nicht, betont jedoch, dass das Konsulat fast nichts unternehme, wovon die deutsche Regierung nicht wisse.