Modell mit Risiken

Dass mit Kombilöhnen das drängende Problem der Arbeitslosigkeit bewältigt werden kann, muss doch stark bezweifelt werden. Die bisherigen Modellversuche haben sich jedenfalls nicht als absolute Segnung für den Arbeitsmarkt erwiesen - im Gegenteil, Kombilöhne kosten den ohnehin klammen Staat viel und haben meist wenig gebracht.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass die große Koalition in dieser Frage ein ziemlich diffuses Bild abliefert. Jeder weiß doch, die Begeisterung von Finanzminister Peer Steinbrück wird sich in Grenzen halten, Milliarden an Steuergeldern hierfür womöglich zu verpulvern. Die Hartz-Reformen lassen grüßen. Ohne Zweifel, ein Konzept, das Arbeitsanreize setzt, das Geringqualifizierte motiviert, einen schlecht bezahlten Job anzunehmen und trotzdem ihren Lebensunterhalt sichern zu können, ist in Deutschland nach wie vor dringend notwendig. Kombilöhne sind in einem Sozialstaat mit bereits bestehender Grundsicherung aber ein Modell voller Risiken. Von negativen Auswirkungen auf das allgemeine Lohnniveau bis hin zu dem Umstand, dass sich viele Arbeitgeber berufen fühlen dürften, reguläre Beschäftigung in staatlich subventionierte umzuwandeln - die Palette möglicher Nebenwirkungen ist lang. Wer also Kombilöhne will, darf sich keinen Schnellschuss leisten, sondern muss Regeln schaffen, die präzise Nutznießer benennen und Mitnahmeeffekte ausschließen. Nur so lässt sich verhindern, dass am Ende Arbeitsplatzbesitzer gegen Arbeitslose ausgespielt werden. Solch ein Konzept sucht man bei der großen Koalition aber noch vergebens. nachrichten.red@volksfreund.de