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Landesregierung übt Kritik
Video aus Herforder Moschee zeigt Kinder in Uniform

Der Halbmond auf dem Minarett einer Moschee.
Der Halbmond auf dem Minarett einer Moschee. FOTO: Boris Roessler/dpa
Bielefeld/Herford. Die NRW-Landesregierung übt Kritik an einem Video aus einer Herforder Ditib-Moschee. Die Bilder zeigen marschierende Kinder in Militäruniformen. Politiker nennen das inakzeptabel.

Die Aufnahmen zeigen marschierende Kinder in Militäruniformen. Nun übt die NRW-Landesregierung Kritik an einem Video aus einer Herforder Ditib-Moschee. Integrationsminister Stamp nennt die Bilder "verstörend und völlig inakzeptabel".

"Der Vorfall bestärkt uns in unseren Befürchtungen, dass die Ditib in NRW im politischen Interesse der türkischen Regierung agiert", sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) der Tageszeitung "Neue Westfälische". Er forderte vom Landes- und Bundesverband des deutsch-türkischen Moscheeverbandes eine unmissverständliche Klarstellung und Distanzierung von den Geschehnissen.

Das über Facebook und Twitter verbreitete Video zeigt eine Kinder-Aufführung zum "Tag der Gefallenen", der in der Türkei am 18. März als Feiertag begangen wird. In der rund vierminütigen Aufnahme, die sich auch über WhatsApp verbreitete, marschieren Kinder in Militäruniformen, auf der die türkische Flagge prangt. Dabei halten sie Spielzeuggewehre in der Hand. Ein als Vorgesetzter agierendes Kind gibt Befehle wie "Stillgestanden" und "Rührt euch".

Jugendamt soll Kindeswohlgefährdung prüfen

"Aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe stehen die Bilder dem Geiste einer gewaltfreien Erziehung in besonders heftiger Art und Weise entgegen", erklärte das NRW-Familienministerium. Die UN-Kinderrechtskonvention ächte die Rekrutierung von Kindern. Ihre Beteiligung an bewaffneten Konflikten sowie eine Zwangsrekrutierung von Unter-18-Jährigen sei verboten. Die Bilder aus Herford erweckten jedoch den Eindruck, dass genau eine solche Beteiligung an bewaffneten Konflikten von Kindern geübt werde. Die Frage der Kindeswohlgefährdung sei vom Jugendamt zu prüfen.

"Hier setzt die Gemeinde kein Zeichen der Integration", zitiert die Zeitung den Herforder SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm. Er wolle das Thema in der kommenden Woche auf die Tagesordnung des Innen- und Integrationsausschusses setzen lassen.

Gemeinde bedauert Vorfall

Die in Köln ansässige Dachorganisation des deutsch-türkischen Moscheeverbandes Ditib hat laut Zeitung auf eine Bitte um Stellungnahme bislang nicht reagiert. Die Gemeinde bedauerte den Vorfall. Auch sie habe die von einer Person geplante Aufführung überrascht, sagte Gemeindesekretär Necati Aydin dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". "Wir haben völlig falsch eingeschätzt, wie diese Aufführung interpretiert werden kann."

Der Ditib-Landesverband erklärte der Zeitung, das Video sei zum Gedenken an die Schlacht von Gallipoli entstanden, bei der die Osmanen 1915 unter großen Verlusten die angreifenden Engländer und Franzosen besiegt hätten. Daran erinnere der "Tag der Gefallenen" am 18. März.

(sef/KNA)