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Muslime in der Region sind beunruhigt

Muslime in der Region sind beunruhigt

Die große türkisch-islamische Kulturgemeinde in Wittlich und andere Muslime distanzieren sich von jeder Form des Terrors. Für Radikale habe man keine Toleranz, sagen sie. Auch in der Region wächst die Sorge vor möglichen "Vergeltungsschlägen".

Wittlich/Konz/Bitburg. Die aktuellen Entwicklungen nach den Attentaten in Frankreich beunruhigen auch Muslime in der Region Trier. Besonders viele von ihnen leben in und um Wittlich, wo es drei Moscheen gibt.
"Nach den Terroranschlägen haben wir eine telefonische Drohung erhalten", sagt Ijaz Zafar von der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat, deren Moschee in Wittlich-Wengerohr steht. Beim Neujahrsempfang habe man daher unter Polizeischutz gefeiert. "Das war schon ziemlich happig", sagt der Moslem. Passiert sei glücklicherweise nichts.
Distanzierung vom Anschlag


"Es ist schrecklich, was in Frankreich geschehen ist. Wir distanzieren uns ganz deutlich davon", betont Zafar. Die Muslime der Region sind sich einig: So beleidigend Mohammed-Karikaturen für sie sind - Gewalt rechtfertigen sie nicht. Zafar wertet den islamistischen Terror auch als Angriff auf den Islam, der doch für die Meinungsfreiheit stehe.
Sorgen bereitet die Entwicklung in Frankreich, wo sich infolge der Attentate von Paris nun Angriffe auf muslimische Einrichtungen häufen (siehe Bericht unten), auch dem türkisch-islamischen Kulturverein (Ditib). Dieser betreut nach Auskunft des Vorsitzenden Sebahattin Topal etwa 800 Familien im Kreis Bernkastel-Wittlich. Weitere Zentren hat der Verein in Konz und Jünkerath. Die Ditib-Gemeinde distanziert sich von jeglicher Form des Terrorismus. "Es ist für mich eine ekelhafte Sache, dass man den Namen Allahs so beschmutzt", sagt Topal über die Anschläge, die ihn und die anderen Gläubigen zutiefst erschreckt hätten. Seine Gemeinde habe für Radikale keine Toleranz. "Gott sei Dank ist das bei uns aber auch noch nicht vorgekommen", sagt Topal, doch man sei wachsam.
Wachsam sind die Muslime nun auch, weil sie Angst haben, zu Opfern rechtsextremer Aggression zu werden. Auch der Wittlicher Stadtrat Ali Damar fürchtet, dass die Anschläge von Paris Wasser auf die Mühlen von Rechtsextremen sind.
Überwachung per Kamera


In Bitburg, wo sich freitags bis zu 100 Muslime zum Beten treffen, fühlt man sich bisher nicht bedroht. Die Moschee in der Wittlicher Schlossstraße soll künftig eine Kamera überwachen - obwohl sie neben der Polizei liegt. Und in Wengerohr stehen bei Veranstaltungen zwei Sicherheitsleute vor dem Gebetshaus.
Die Muslime sorgen sich aber nicht nur um ihre Sicherheit, sondern auch um mögliche Vorurteile ihrer Nachbarn. "Wir sind Wittlicher Muslime. Wir sind gut integriert. Und wir sind eine friedvolle Gemeinde", sagt Topal.
Um das deutlich zu zeigen, organisiert sein Verein am Sonntag, 25. Januar, in Wittlich eine Demonstration gegen den Terrorismus und gegen Vorurteile.Extra

Nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris sind die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der jüdischen Gemeinde in Trier verschärft worden. Schon vorher hat die Polizei die Synagoge nach Auskunft von Jeanne Bakal, Vorsitzende der rund 480 Mitglieder starken jüdischen Kultusgemeinde, bei Gottesdiensten oder Veranstaltungen bewacht. "Ich mache mir natürlich Sorgen, aber wir machen keine Panik", sagt Bakal. Es gebe auch nichts Schlimmes zu berichten. Die Situation sei hier anders als im nahen Frankreich, wo die Bewachung Rabbinern zufolge so spürbar ist, dass sich Muslime nicht mehr wohlfühlen könnten. Anders als in Frankreich gebe es hier auch keine Auswanderungswelle. Bakal betont das sehr gute Verhältnis zur christlichen und muslimischen Gemeinde Triers. Man sei in Kontakt. "Bewachung ist eine Sackgasse", sagt Bakal. Einziger Ausweg sei ein friedliches Miteinander in der demokratischen Gesellschaft. kahExtra

Wie sich bereits im Jahr 2012 herausgestellt hat, hatte das Terrornetzwerk Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) auch die Wittlicher Moschee der Ditib-Gemeinde sowie die Konzer Moschee im Visier. Die islamischen Zentren standen auf einer Terrorliste, mit der der NSU annähernd 10 000 Institutionen, Politiker, Kirchen oder Vereine als potenzielle Anschlagsziele definiert hatte. Laut Polizei bestand jedoch keine akute Gefahr. kah