Nach der Entwarnung nun die Ernüchterung

Nach der Entwarnung nun die Ernüchterung

TRIER. Ist das Vogelgrippe-Virus doch gefährlicher als bisher angenommen? Der Nachweis von H5N1 bei einer toten Katze auf Rügen beunruhigt Haustierbesitzer. Dabei war es nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Fall auftreten würde.

Seit gestern sind Katzenbesitzer noch besorgter, als sie es seit Ausbruch der Vogelgrippe ohnehin schon waren. Der nachgewiesene Fall einer mit dem gefährlichen H5N1-Virus infizierten Katze beunruhigt viele. Widersprüchliche Meldungen

Grund für die Verunsicherung sind auch widersprüchliche Meldungen der vergangenen Tage. Bislang hatte es geheißen, die Gefahr, dass sich eine Katze mit dem Geflügelpest-Virus anstecke, sei als eher gering einzustufen, und man könne unbesorgt sein Tier draußen herumlaufen lassen. Das Landesuntersuchungsamt in Koblenz beruhigte vergangene Woche noch: Es bestehe derzeit keine Gefahr für Katzen. Man solle, nachdem sie sich draußen aufgehalten hätten, nur nicht eng mit ihnen schmusen. Auch Veterinäre gaben Entwarnung: Katzen können weiter draußen herumlaufen. Auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesinstitut für Tiergesundheit, das in Deutschland Referenzlabor für den Nachweis von Vogelgrippe ist, heißt es: "Katzen können mit H5N1 Virus infiziert werden und erkranken, allerdings sind hier große Virenmengen erforderlich." Die auf Rügen gestorbene Katze muss also eine Menge Kadaver der infizierten Wildvögel gefressen haben. Bereits kurz nach Ausbruch der Vogelgrippe auf der Ostsee-Insel wurde Kritik daran geübt, dass die toten Tiere nicht schnell genug vom Strand entfernt wurden. Eine Verbreitung des Virus durch Katzen sei bislang nicht bekannt, beruhigt das Friedrich-Löffler-Institut. Dass sich Katzen mit Influenza-Viren infizieren können, ist nicht neu. Doch bislang sind vor allem aus Asien Erkrankungen von Großkatzen bekannt geworden. Im Herbst 2005 wiesen niederländische Wissenschaftler nach, dass Katzen über die Lunge und durch rohes Geflügelfleisch infiziert werden können. Eines der sechs aus Versuchsgründen bewusst krank gemachten Tiere starb. Die infizierten Katzen steckten aber auch gesunde Katzen an. Die Experten folgerten aus den Versuchen, dass auch Katzen als Überträger der Vogelgrippe in Frage kommen - ein Widerspruch zu den aktuellen Experteneinschätzungen. "Nach momentanem Wissensstand" seien aber keine besonderen Vorsorgemaßnahmen für Tierbesitzer nötig, beruhigt das Friedrich-Loeffler-Institut. In Gebieten mit nachgewiesener Vogelgrippe, sollte man Katzen jedoch im Haus halten.

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