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Nach der Wahl von Donald Trump: Kurs des neuen US-Präsidenten unklar – Katerstimmung in Deutschland

Washington/Trier. Bestürzt und enttäuscht reagieren Politik und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz auf den Wahlsieg von Donald Trump in den USA. Experten schließen nicht aus, dass der neue US-Präsident die Militärpräsenz in Deutschland und damit auch im Land reduzieren könnte. Bernd Wientjes/dpa

Der Überraschungssieg des politisch unerfahrenen Quereinsteigers Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl versetzt Amerika und das Ausland in Aufruhr. Alle rätseln, was er vorhat. Mit seinem Triumph über Hillary Clinton widerlegte der Populist die meisten Umfragen. Er regiert von Januar an die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt. Dank des Doppelsiegs seiner Republikaner in beiden Kongresskammern kann er politische Vorhaben womöglich ohne große Gegenwehr durchsetzen. Trump sagte in seiner Dankesrede vor Anhängern in New York , er wolle das tief gespaltene Land nun einen. Die Demokratin und Wahlverliererin Hillary Clinton räumte ihre Niederlage ein.

Im politischen Berlin herrscht Katerstimmung - ähnlich wie im Sommer nach der Brexit-Abstimmung in Großbritannien. Die Reaktionen lassen sich unter "Schock und Verunsicherung" zusammenfassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erinnerte Trump an zentrale demokratische Grundwerte und formulierte Bedingungen für eine gute Zusammenarbeit. Ministerpräsidentin und Bundesratspräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigte sich besorgt. "Ich sehe die Demokratie zurzeit außerordentlich herausgefordert, weil wir leider überall auch in Europa mit Rechtspopulismus zu tun haben", sagte Dreyer. Sie zeigte sich persönlich enttäuscht vom Wahlausgang. "Die Enttäuschung sitzt tief. Diese Entscheidung ist tatsächlich natürlich zu respektieren, aber sie wird letztendlich Auswirkungen haben auf die Welt."

Für Rheinland-Pfalz spielten die USA eine wichtige Rolle, betonte Dreyer. "Hier lebt die größte amerikanische Militärgemeinde außerhalb den USA." Allein in Spangdahlem in der Eifel leben rund 12.000 Amerikaner, rund um Ramstein in der Pfalz sind es gut 50.000. Nach Ansicht von USA-Experte Gerd Hurm von der Uni Trier könnte die Militärstrategie von Trump Auswirkungen auf die Präsenz des US-Militärs in Rheinland-Pfalz haben. Wenn er das umsetze, was er angekündigt habe, werde es weniger Einsätze des US-Militärs im Ausland geben, sagte Hurm im Volksfreund-Interview .

Auch David Sirakov, Direktor der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern, geht nicht davon aus, dass das US-Engagement in Europa ausgebaut werde. Das könnte Folgen für die US-Liegenschaften in Rheinland-Pfalz haben. Die rheinland-pfälzische Wirtschaft reagiert besorgt , dass Trump den freien Warenverkehr mit Deutschland einschränken könnte. "Die USA sind unser zweitwichtigster Auslandsmarkt; jährlich exportieren die Unternehmen Waren für rund fünf Milliarden Euro dorthin", sagt Robert Lippmann, wirtschaftspolitischer Sprecher der Industrie- und Handelskammern.