"Nächstes Jahr kann es zu spät sein"

"Nächstes Jahr kann es zu spät sein"

TRIER. „Es muss dringend was passieren“: So lautet das Fazit einer Bestandsaufnahme mit Vertretern der Wirtschafts- und Arbeitswelt in der Region Trier. Geht es nach ihnen, dann ist die Aufgabenstellung für den heutigen Job-Gipfel klar.

So unterschiedlich die Branchen und die Interessenlagen sein mögen: Handlungsbedarf in Sachen Arbeitsplätze sehen alle. Der Bauunternehmer Franz Görtz, der Marketing-Mann Ronald Frank, der Kaufmann Christoph Heinemann, der Gewerkschafter Karl-Heinz Päulgen. Nur die Richtung, in die es gehen soll, definiert jeder anders.

„Die Beschlüsse müssen dafür sorgen, dass die Kaufkraft steigt“, sagt Christoph Heinemann, der in der Trierer Innenstadt eine Wäschegalerie betreibt. Es werde nur besser, „wenn bei den Durchschnitts-Leuten netto mehr Geld im Portemonnaie ist“. Allein mit einer Unternehmenssteuersenkung sei das nicht zu machen, sagt der Unternehmer Heinemann.

Auch Franz Görtz, Geschäftsführer des Konzer Tiefbauunternehmens Leo Elenz, stimmt nicht so vorbehaltlos in die Spar- und Streich-Appelle mancher seiner Kollegen ein. Er erhofft sich vom Job-Gipfel eine Initiative für mehr öffentliche Aufträge, vor allem im Tiefbau-Gewerbe. „Uns wäre schon geholfen, wenn alle beschlossenen Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt würden“.

Ronald Frank, Inhaber der Trierer Agentur „Medienfabrik“, setzt auf Impulse für eine Senkung der Lohnnebenkosten. Außerdem erwartet er von der Politik eine Strategie für den langfristigen Wandel im Arbeitsmarkt: „Es fehlen einfache Jobs für Leute, die keine große Qualifikation mitbringen“.

An die denkt auch der DGB-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Päulgen, wenn auch mit anderen Konsequenzen. Der Job-Gipfel solle „ein Arbeitsmarktprogramm auflegen“ und vor allem „Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramme für junge Menschen“ beschließen. Auch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen will er wieder stärker belebt sehen.

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Matthias Bichler, Betriebsrat bei Volvo (Ex-Zettelmeyer) in Konz, hat einen sehr handfesten Vorschlag für den Gipfel. Er könne eine Insolvenzsicherung für die Arbeitszeitkonten der Arbeitnehmer in die Wege leiten. Dann wachse die Akzeptanz für neue, flexible Arbeitszeitmodelle ganz erheblich.

Mehr Flexibilität klagt auch Peter Karst ein, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bernkastel-Wittlich. Man solle den Tarifpartnern das Regeln der Arbeitsverhältnisse überlassen, statt alles zu reglementieren. Vor allem das Arbeitsrecht sorge für „regelrechte Beschäftigungsblockaden“ und gehöre unbedingt auf die Agenda des Job-Gipfels. Das klingt bei Jan Eitel ganz ähnlich, obwohl er als Geschäftsführer der Trierer „Entwicklungsgesellschaft Petrisberg“ oft mit ganz anderen Klienten zu tun hat als der Handwerksmeister aus der Eifel. Gerade bei den jungen, technologie-geprägten Unternehmen beobachte er häufig, „dass die Mitarbeiter bis zur Erschöpfungsgrenze arbeiten“. Dennoch schrecke man davor zurück, neue Leute einzustellen. „Das muss mit den Lohnkosten und dem Arbeitsrecht zu tun haben“, sagt Eitel und reklamiert Änderungsbedarf.

In die gleiche Kerbe schlägt Markus Haag, Hochwald Türenwerke, Kell. „Flexiblere Arbeitszeiten, weniger Bürokratie, Entlastung bei den Nebenkosten“, so seine Bitte. So unterschiedlich die Nuancen sind, in einem Punkt spricht Christoph Heinemann für alle: „Die müssen jetzt was tun, nächstes Jahr kann es schon zu spät sein.“

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