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Namensstreit: Wem gehört Rock am Ring?

Rock am Ring.
Rock am Ring. FOTO: Sven Eisenkrämer
Nürburgring. Bleibt Rock am Ring nun doch am Ring? Insolvenzverwalter und künftiger Nürburgring-Eigentümer Capricorn wollen zwar nicht mehr mit Konzertveranstalter Marek Lieberberg zusammenarbeiten, melden aber Ansprüche auf die Titelrechte für das traditionelle Musikfestival an. Dietmar Brück

Nürburgring. Über die Nutzung des Werktitels, wie es im Juristendeutsch heißt, ist jetzt ein Rechtsstreit ausgebrochen.
Nachdem Lieberberg mit der Nürburgring GmbH und dem künftigen Ring-Eigentümer Capricorn nicht handelseinig wurde, will er das Rock-am-Ring-Festival 2015 an einem neuen Ort auferstehen lassen - zur gleichen Zeit (5. bis 7. Juni) und in der gleichen Größe. Das ist aber laut Insolvenzverwalter nicht so ohne weiteres möglich. Denn ihrer Ansicht nach wurde Rock am Ring 1985 gemeinsam von der Nürburgring GmbH und der Konzertagentur Mama Concerts (Mitgesellschafter Lieberberg) gegründet.
Demnach würde es sich um ein gemeinschaftliches Projekt handeln, an dem Lieberberg nicht automatisch und schon gar nicht allein die Rechte hat. Gewinnt die Nürburgring GmbH den Rechtsstreit, kann sie entscheiden, ob sie ihr Pfingstfestival weiter Rock am Ring nennt oder, wie geplant, Grüne Hölle - Rockfestival am Nürburgring. Wollte Lieberberg den Namen nutzen, müsste er zahlen oder zumindest fragen."Alles nicht stichhaltig"


Der Konzertveranstalter ist überzeugt, dass er den juristischen Kampf gewinnt. "Das ist alles nicht stichhaltig", meinte er gegenüber der Rhein-Zeitung. "Man versucht nur mit allen möglichen Tricks, mich daran zu hindern, das Festival an einem neuen Ort aufzuziehen", ergänzte er.
"Das wird nicht gelingen, selbst dann nicht, wenn wir den Namen Rock am Ring nicht mehr nutzen könnten." Davon geht Lieberberg aber nicht aus.
Die Insolvenzverwalter werfen Lieberberg indes Verdrehung der Tatsachen vor. Sie stört, dass er sich als alleiniger Erfinder und Schöpfer von Rock am Ring hinstellt. Eine Sichtweise, die ihrer Ansicht nach keineswegs den Tatsachen entspricht.
Lieberberg wiederum plant den Umzug des Megafestivals vom Nürburgring nach Mönchengladbach. Sollte dies nicht möglich sein, sieht er das Flughafengelände in Mendig (Kreis Mayen-Koblenz) als erstklassige Alternative. "Das wäre auf jeden Fall auch ein prima Veranstaltungsort", sagte er.Extra

Die EU-Kommission will noch im Juni ihren zentralen Beschluss zu den Nürburgring-Beihilfen und dem Verkauf des Eifelkurses fällen. Dabei wird es nach Informationender Rhein-Zeitung keine gravierenden Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf geben (wir berichteten): Nahezu die gesamten 486 Millionen Euro, die unter dem Verdacht illegaler staatlicher Subventionen standen, werden als unrechtmäßige Beihilfen gewertet. Vor allem der Bau des Freizeitparks an Rennstrecke war also niemals mit EU-Recht vereinbar. Zugleich kann der Autozulieferer Capricorn, der neue Ring-Besitzer, offenbar endgültig aufatmen. Im EU-Wettbewerbskommissariat wird der Verkaufsprozess als rechtmäßig erachtet, heißt es in Brüssel. Die Entscheidung könnte bereits am 25. Juni offiziell werden. DB