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Nemzows wahre Mörder noch frei

Nemzows wahre Mörder noch frei

Ausgerechnet der beim russischen Präsidenten angesiedelte Menschenrechtsrat bringt die für Russland rasanten Fahndungserfolge im Mordfall Boris Nemzow ins Wanken. Der 55-jährige Oppositionelle war Ende Februar in Moskau in unmittelbarer Nähe des Kreml hinterrücks erschossen worden.

Moskau. So schnell kann es gehen: Am Dienstag teilte das Moskauer Ermittlungskomitee zum Mordfall Nemzow noch mit, der Hauptverdächtige Saur Dadajew sei für die Ausführung des Attentats verantwortlich und habe auch die Vorbereitungen eigenhändig getroffen (TV vom 11. März). Als die präsidiale Menschenrechtskommission am Dienstag die Inhaftierten im Untersuchungsgefängnis Lefortowo aufsuchte, erschienen Tatvorgang und Fahndung bereits in einem anderen Licht. Kommissionsmitglied Andrej Babuschkin stellte fest, es gebe Grund zur Annahme, dass der Hauptverdächtige "Saur Dadajew unter Folter gestanden hat". Er hatte "zahlreiche Verletzungen" am Körper.
In einem Interview des Moskowskij Komsomolez beschreibt der Tatverdächtige, wie er geschlagen wurde. Noch im Nordkaukasus habe er gestanden, weil die Fahnder versprochen hätten, den mit ihm verhafteten Ruslan Jusupow freizulassen. "Ich dachte, ich rette ihn und mich bringen sie wenigstens lebendig nach Moskau. Sonst würde mir das Gleiche widerfahren wie Schawanow." Schawanow gilt als zweiter Hauptverdächtiger, der sich laut offizieller Darlegung der Festnahme in Grosny durch Selbstmord mit einer Handgranate entzogen haben soll.
Dadajew sagte, er sei davon ausgegangen, dass er in Moskau vor der Haftrichterin das Geständnis widerrufen könne. "Die Richterin hat mir nicht einmal das Wort erteilt", sagte er. Auch ein Anwalt sei ihm vorenthalten worden.
Videoaufzeichnungen belegen unterdessen, dass das Mordopfer bereits seit Herbst flächendeckend von ein- und demselben Fahrzeug überwacht wurde.Wahrer Täter längst bekannt


Doch damit nicht genug: Die Nowaja Gaseta berichtet am Mittwoch, der Name des tatsächlichen Täters sei Dutzenden Mitarbeitern der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden bekannt. Die Zeitung gibt mit Ruslan nur dessen Vornamen preis. Der russische Oppositionelle und Freund Nemzows, Alexej Nawalny, twitterte dann noch den Rest: Ruslan Geremejew soll der tatsächliche Mörder heißen. Sein Onkel sitzt als Senator Tschetscheniens im russischen Föderationsrat, dem Oberhaus der Duma (Parlament). Bei den Ermittlungen wurde auch noch eine Abschussliste gefunden, auf der neben dem Chefredakteur des Senders Echo Moskwy Alexej Wenediktow, Ex-Öl-Milliardär Michail Chodorkowski und die Fernsehjournalistin Xenia Sobtschak geführt werden.
Laut Nowaja Gaseta ist der Fall Nemzow gelöst. Jetzt hänge es nur noch von Präsident Wladimir Putin ab, für welche Lösung er plädiere. Entscheidet er sich für den wahren Mörder, müssten die Fahnder in Richtung Ramsan Kadyrow weiter ermitteln. Bislang wurden sie immer zurückgepfiffen, egal welches Unwesen die Häscher des tschetschenischen Sultans auch trieben. Sie standen über dem Gesetz.
Anscheinend fürchtet der Kreml, Grosny könnte sich wieder gegen Moskau wenden. Das würde im Süden Russlands auf einen Zweifrontenkrieg hinauslaufen. Hält der Kreml an Kadyrow fest, verprellt er jedoch die eigenen Sicherheitsstrukturen.
Der Menschenrechtskommission wurden bereits Konsequenzen angedroht, weil sie mit ihrem Bericht in laufende Ermittlungen eingegriffen habe.Extra

Die Nato hat gestern Details zu den Übungsplänen der neuen superschnellen Eingreiftruppe vorgestellt, für die Deutschland in diesem Jahr den Großteil der Soldaten stellt. Demnach ist vorgesehen, vom 7. April an zum ersten Mal eine Alarmierung zu trainieren. Im Juni steht eine Übung mit Verlegung der Truppe nach Polen an. Die 5000-Mann-Truppe ist Kern des neuen Nato-Abschreckungskonzepts, das nach der russischen Intervention in der Ukraine entwickelt wurde. dpa