Nervtötende Debatte

Wteten, dsas jdeer Lseer deiesn Staz vreshet? Eine Studie belegt, dass Texte mühelos lesbar sind, wenn die ersten und letzten Buchstaben der Wörter stimmen - die Reihenfolge der übrigen spielt keine Rolle.

Zugegeben, das ist polemisch. Und, nein, kein Plädoyer dafür, die Regeln abzuschaffen. Aber es entlarvt, wie aufgeblasen die Diskussion über die Rechtschreibreform ist, die schon seit Jahren niemand mehr hören kann - abgesehen von einigen Deutschlehrern und einer Hand voll Autoren, die sich mit Einmischungen in wirklich wichtige gesellschaftliche Debatten leider vornehm zurückhalten. Es stimmt, dass die neue Rechtschreibung in Teilen unbefriedigend ist. Doch erstens wäre es illusorisch, angesichts einer Herkulesaufgabe wie der Normierung der Schriftsprache etwas anderes zu erwarten. Und zweitens sind die neuen Schreibweisen weit logischer als die alten. Was die viel gescholtenen Varianten betrifft: Verschiedene Schreibweisen für dasselbe Wort hat es immer schon gegeben. Experten zufolge ist derzeit nur jede sechste Variante auf die Rechtschreibreform zurückzuführen. Verschmerzbar, oder? Zudem wurde nicht die Sprache verändert, sondern lediglich ihre Schreibweise. Und niemand wird gezwungen, die neuen Regeln anwenden, wenn er nicht gerade Schüler ist beziehungsweise bei einer Behörde oder Zeitung arbeitet. Die Liste ließe sich fortsetzen. Selbst, wenn es all diese guten Gründe für die neue Rechtschreibung nicht gäbe - das Maß der Empörung in einigen Kreisen über diese vergleichsweise unbedeutende Reform ist absurd. Wie schön wäre es, wenn wir keine größeren Probleme hätten! Auch über den Inhalt der jetzt in Kraft tretenden "Reform der Reform" kann man trefflich streiten. Trotzdem ist es gut, dass es diesen Kompromiss gibt. Er schenkt Hoffnung. Darauf, dass die nervtötende Debatte über die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung endlich ein Ende findet. i.kreutz@volksfreund.de