Neue Führungskultur nötig

Die BenQ-Pleite der ehemaligen Siemens-Handy-Sparte wirft ein dunkeln Schatten auf die deutsche Wirtschaft. Wie man die Sache auch dreht und wendet, entweder ist der Niedergang dieser einst ruhmreichen deutschen Industriesparte ein Stück "deutscher Dämlichkeit" oder "weltweiter Dreistigkeit".

Die Empörung der Politik und der Gewerkschaften ist deshalb durchaus gerechtfertigt. Und Siemens-Chef Klaus Kleinfeld kann sich nun quasi aussuchen, ob er Deutschlands raffgierigster oder dämlichster Manager ist. Für eine dreiste Management-Posse spricht die Tatsache, dass Siemens vor gut einem Jahr dem neuen Besitzer aus Taiwan rund 350 Millionen Euro zusteckte, damit BenQ die schwächelnde Handysparte übernehme. Damit ist Siemens-Chef Kleinfeld juristisch sozusagen aus der Verantwortung. Die Aktionäre müssen es dem Top-Manager danken, denn damit hat er dem Konzern wahrscheinlich die weitaus höheren Kosten für einen Sozialplan erspart. Auch für die Taiwanesen hat sich der Deal durchaus gelohnt. Neben der stattlichen Morgengabe konnte BenQ Namensrechte, Know-how und Technik von Siemens abgreifen. Und - noch viel wichtiger - mit der Insolvenz ist man einen ehemals bedeutenden Konkurrenten los. Doch wer Indizien für die Unfähigkeit des deutschen Managements sucht, findet auch reichlich Stoff. Seit Jahren hinkte Siemens mit seinen Mobiltelefonen der Konkurrenz hinterher. Technik und Design boten einer zunehmend jüngeren Klientel biedere "Hausmannskost". Auch der Imageschaden, den sich der Siemens-Manager eingehandelt hat, spricht nicht gerade für die Klasse von Kleinfeld: Erst steht die Siemens-Management-Spitze in der Kritik, weil die Bosse von den Mitarbeitern Lohnverzicht fordern, sich selbst aber eine 30-prozentige Gehaltssteigerung genehmigen, nun steht Klaus Kleinfeld am Pranger, weil er billig 3000 deutsche Arbeitsplätze verramscht hat. Leider ist das Siemens-Stück auf der deutschen "Wirtschaftsbühne" kein Einzelfall. Es wäre angebracht, dass die Politik sich nicht nur bei jeder Pleite medienwirksam vor die Belegschaft stellt, sondern darauf dringt, dass wir eine neue, nachhaltige, soziale Führungskultur fordern und fördern. Dazu aber müsste erst einmal die Politik mit gutem Beispiel vorangehen. h.waschbuesch@volksfreund.de