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Neue Volksfreund-Serie "Wahlplakate im Expertencheck" - Teil 1: Die CDU

Berlin. Seit einigen Wochen sind die Straßen gepflastert mit den Wahlplakaten der Parteien. Aber sprechen sie die Bürger überhaupt an? Sind sie professionell gemacht? Oder wenigstens originell? Wir fragten zwei renommierte Experten, die derzeit für keine der Parteien im Wahlkampf aktiv sind, aber Erfahrungen mit politischen Auftraggebern und Kampagnen haben. Karsten Göbel/Eberhard Bingel/red

Karsten Göbel, Geschäftsführer Agentur Super an der Spree GmbH, Berlin: "Was hat das Internet nicht gelacht bei der Präsentation der #FEDIDWGUGL-Plakate. "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben." Von der CDU-Agentur Jung von Matt hatte sich die Kommunikationsbranche deutlich mehr erwartet als schwarz-rot-goldenes Design und das Fehlen jeglicher inhaltlicher Aussage.
Das ist weder frisch noch innovativ. Die Plakate fallen bestenfalls auf, ohne zu stören. Denn das ist der Trick der CDU: Auf sich aufmerksam machen, ohne negativ aufzufallen. Damit ist ihr Ziel aber auch schon erreicht. Der liberal-unaufgeregte Stadtmensch stört sich daran ebenso wenig wie der Jungbauer. Dabei sind die CDU-Plakate bei weitem nicht so blöd, wie es Kommunikationsexperten auf Twitter behaupten. Zentrale Aufgabe der CDU-Kampagne ist, dass die allgemeine Zufriedenheit im Land nicht in eine Wechselstimmung umschlägt. Wer in den Umfragen bei knapp 40 Prozent Zustimmung steht, kann mehr falsch als richtig machen. Jede zu konkrete Aussage könnte zumindest von einem Teil der eigenen Anhänger abgelehnt werden. Das zu verhindern funktioniert, indem jede Konfrontation vermieden wird.
Gesamturteil: Ein Land, in dem gut und gerne mittelmäßige Politik akzeptiert wird, behält mit diesen Plakaten seine Mutti."

Eberhard Bingel, Vorstand CB.e AG, Berlin: "Die Plakate sind frisch und ansprechend. Der Umgang mit den Deutschlandfarben ist richtig gut gelungen, wirkt modern und assoziiert ein modernes Deutschland (-Bild). Das ist nicht mehr altbacken, wie man es sonst von der CDU kennt. Der Text ist natürlich von größtmöglicher Beliebigkeit, und niemand kann dieser Aussage widersprechen. Taktisch genau richtig für eine Volkspartei, die versucht jedermann zu erreichen. Tauber hat sich noch mit dem Hashtag #FEDIDWGUGL ein bisschen über Trumps #COVFEFE lustig gemacht und ironische Distanz erzeugt. Durchaus clever und vielbeachtet. Ein reines Werbeplakat ohne jegliche Sachaussage oder Festlegung. Ein interessantes Detail: Die Farbe der CDU findet sich vor allem im Jackett der Kandidatin wieder, der allgemein unterstellt wird, sie habe die CDU sozialdemokratisiert. Im Zusammenspiel der Elemente wird die eigentliche Botschaft klar: Mutti wird's richten!"Extra: SERIE WAHLPLAKATE IM EXPERTENCHECK

(wk) Seit einigen Wochen sind die Straßen gepflastert mit den Wahlplakaten der Parteien. Aber sprechen sie die Bürger überhaupt an? Sind sie professionell gemacht? Oder wenigstens originell? Wir fragten zwei renommierte Experten, die derzeit für keine der Parteien im Wahlkampf aktiv sind, aber Erfahrungen mit politischen Auftraggebern und Kampagnen haben.
Karsten Göbel, Jahrgang 1969, leitet die Agentur Super in Berlin-Kreuzberg. Zu deren bisherigen Kunden zählen unter anderem das Rote Kreuz, das Entwicklungshilfeministerium und Philipps. 2013 machte die Agentur für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Wahlkampf. Das Agenturmotto: "Für jede Kommunikationsaufgabe gibt es eine solche Lösung. Und die nennen wir Super."
Eberhard Bingel, Jahrgang 1958, ist zusammen mit Sabine Clausecker Gründer, Vorstand und Geschäftsführer der Agentur CB.e AG in Berlin-Charlottenburg. Auf der bisherigen Kundenliste stehen unter anderem Daimler, Lufthansa, das Gesundheits- und Arbeitsministerium und die ARD. Agenturmotto: "Wir schaffen Dialog, lieben Design und denken digital." Bingel ist Mitglied im Vorstand des Internationalen Design Zentrums Berlin.