Neuer Führungsstil

Angela Merkel hat in Dresden das für die CDU ungewohnte Wort "Flügel" benutzt. Sie hat auch mehrfach eine Formel verwendet, die man von ihr selten gehört hat: "Ich will". Beide Zitate beschreiben die Situation ziemlich exakt.

Die Verlegenheitsvorsitzende des Jahres 2000 ist sechs Jahre später nicht nur Kanzlerin, sondern auch unangefochtene Chefin der Union. Sie ist wirklich die Nachfolgerin Helmut Kohls. Aber ganz anders. Denn die CDU ist nicht mehr die gleiche Partei. Die Interessen und Auffassungen driften auseinander. Modernisierer und Bewahrer. Sozialflügel und Wirtschaftsliberale. Und dann sind da noch die vielen Landesfürsten, auf die die Partei eigentlich stolz ist, die es ihr auf Bundesebene aber schwer machen. Angela Merkel pflegt auch in ihrer Partei den moderierenden Stil, mit dem sie in der großen Koalition agiert. Sie schlägt sich nicht klar auf eine Seite. Dann würde sie angreifbar. Sie versucht die Not des Streits zur Tugend einer lebendigen Volkspartei umzuwidmen. Das wirkt integrierend. Sie entscheidet Debatten nicht, sondern lässt sie laufen. Manchmal, wie die um den Antrag Jürgen Rüttgers', auch ins Leere. Sie umarmt alle potenziellen Rivalen und lässt sie sich gegenseitig ausbremsen. Das ist taktisch geschickt. Die CDU hat ihre Chefin in Dresden mit 93 Prozent noch stärker gemacht. Und trotzdem wirkt die Partei nicht mehr so hierarchisch wie früher. nachrichten.red@volksfreund.de