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Neues Organspende-Gesetz: Was jetzt auf die Bürger zukommt

Neues Organspende-Gesetz: Was jetzt auf die Bürger zukommt

Das neue Organspendegesetz, das der Bundestag am Freitag nach jahrelangen Diskussionen beschlossen hat, stößt überwiegend auf positive Resonanz. Experten wie Oberarzt Erich Jochum vom Trierer Brüderkrankenhaus zweifeln allerdings an der praktischen Wirksamkeit der Neuregelung.

(DiL) Alle Bundesbürger ab 16 Jahren werden künftig offensiv nach ihrer Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod gefragt. In der Debatte stimmten die Politiker die Bürger darauf ein, dass der Staat in dieser Frage nicht mehr lockerlässt. Denn von den 12.000 Menschen, die in ganz Deutschland auf eine Spende warten, sterben jeden Tag drei. Zuständig sind die Krankenkassen. Sie sollen den Versicherten ab 16 Jahren Informationen und einen Organspendeausweis zuschicken. Mit den millionenfachen Briefen könnte es bereits zum Jahresende losgehen. "Wir sind vorbereitet", sagt Norbert Dixius von der Barmer Ersatzkasse in Trier. Auch bei der Passausgabe in den Ämtern sollen die Bürger die Unterlagen erhalten. Die Versicherten können ihre Entscheidung auf der elektronischen Gesundheitskarte dokumentieren, sobald dies in einigen Jahren möglich ist. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sprach nach der von einer breiten Mehrheit getragenen Entscheidung von einem starken Signal und kündigte eine "große Öffentlichkeits-Kampagne zur Aufklärung" an. Bisher hat nur ein Viertel der Deutschen einen Spenderausweis, obwohl bei Umfragen weit mehr ihre Bereitschaft zur Organspende bekunden. Auf eine Million Einwohner kommen real knapp 15 Spender. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, begrüßte, dass Freiwilligkeit im Zentrum stehe. Der leitende Oberarzt und Organspenden-Experte Erich Jochum vom Trierer Brüderkrankenhaus und viele seiner Kollegen hätten dagegen eine "Widerspruchslösung" wie in anderen europäischen Ländern vorgezogen. Sie führt dazu, dass automatisch als Spender eingestuft wird, wer widerspricht. Er zweifle, "dass die neue Regelung große Veränderungen bringt", sagte Jochum dem Trierischen Volksfreund.