Nicht Fisch, nicht Fleisch

Jetzt haben wir den Salat, besser gesagt: Jetzt bekommen wir ihn. Als erstes Bundesland will Nordrhein-Westfalen die Ladenöffnungszeiten während der Woche freigeben. Heißt im Klartext: Von montags bis samstags dürfen die Geschäftsleute an Rhein und Ruhr künftig selbst entscheiden, wann und ob sie ihre Rollläden runterlassen.

Vernünftig und überfällig. Nach dem mündigen Verbraucher gibt's also demnächst auch den mündigen Unternehmer. Allerdings vorerst nur in NRW; und genau das ist die Malaise. Der schlimmste anzunehmende Föderalismus-Unfall: 16 Bundesländer beschließen beim leidigen Dauerthema Ladenschluss über kurz oder lang 16 unterschiedliche Regelungen. Da muss König Kunde unter Umständen nur mal kurz abends von Wiesbaden nach Mainz über den Rhein marschieren, um vor verschlossenen Läden zu stehen. Eine kuriose Vorstellung, die allerdings schon bald Realität werden wird. Denn eine bundesweit einheitliche Ladenschlussregelung wird es dank der durch die Föderalismusreform gewonnenen neuen Länderzuständigkeit künftig nicht mehr geben. Hessen will die Öffnungszeiten wie NRW ganz frei geben, das Saarland alles beim Alten lassen. Und Rheinland-Pfalz entscheidet sich demnächst voraussichtlich nach dem Motto "nicht Fisch, nicht Fleisch" für den wenig goldenen Mittelweg: werktags bis maximal 22 Uhr geöffnet und sonntags zu. Dass das Reförmchen angesichts der Nachbarschaft zu Hessen und Nordrhein-Westfalen auf Dauer keinen Bestand haben wird, ist heute schon absehbar. r.seydewitz@volksfreund.de

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