Nicht für alte Menschen gemacht

Nicht für alte Menschen gemacht

BERLIN. Wie müssen seniorengerechte Produkte aussehen? Mit dieser Frage befasste sich ein mehrjähriges Forschungsprojekt der Technischen Universität (TU) Berlin. Ergebnis: Produktentwickler müssen sich stärker an den Bedürfnissen älterer Kunden orientieren.

"Die Bedienungsanleitung ist miserabel, das Menü unübersichtlich", ärgert sich die alte Dame über ihr Handy. Mit ihrer Kritik an der Gebrauchstauglichkeit von technischem Gerät für Senioren steht sie nicht allein. Und auch die demografische Entwicklung ist eindeutig: Lag der Anteil von Senioren an der Gesamtbevölkerung vor vier Jahren noch bei etwa 25 Prozent, wird er im Jahr 2030 bereits bei etwa 35 Prozent liegen. "Wobei die Senioren von heute immer jünger werden", meint Kai-Uwe Neth vom Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft und Produktergonomie der TU Berlin. Häufig stoßen gebräuchliche seniorengerechte Geräte eher auf Ablehnung, weil sie ihre Herkunft aus der Behinderten- und Rehabilitationstechnik nicht verleugnen können. Mit dem Forschungsprojekt "Sentha" (Seniorengerechte Technik im Haushalt) befassten sich Wissenschaftler der Technischen Uni Berlin und überprüften die Anforderungen an Haushaltstechnik und Wohnumfeld. Eine erste und wichtige Erkenntnis von "Sentha" war die Tatsache, dass nicht etwa Defizite von Senioren im Umgang mit der Technik festzustellen waren. Viel mehr sollten die geistigen und körperlichen Ressourcen, durch eine seniorengerechte Technik genutzt werden, damit sie nicht verkümmern. Das Forschungsprojekt ist in der Industrie auf großes Interesse gestoßen, sagt Neth. Beispielsweise ginge es um die Entwicklung von seniorengerechten Blutdruck-Messgeräten und Fitnessgeräten, die ohne Stigmatisierung ausfallen. Das Hauptinteresse der Industrie gilt jedoch der Kommunikationstechnik und dem PC-Bereich. Beispiel Handy. Es genüge nicht, wenn die Tasten des Handys einfach nur größer gemacht werden, so die Forscher. Untersuchungen ergaben, dass das Hauptproblem für ältere Menschen beim Handy die Handhabung des Menüs ist. "Dessen Logik ist nicht für ältere Menschen gemacht", findet TU-Professor Wolfgang Friesdorf. "Senioren verstehen häufig gar nicht, was eine Menüsteuerung ist." Die "riesigen Bedienungsanleitungen" werden weder von Jugendlichen noch von Senioren gelesen, wobei die Jungen erfolgreich nach dem "try-and-error"-Prinzip vorgehen, Ältere dagegen mit dem Produkt sensibel umgehen wollen und Angst haben, etwas kaputt zu machen. "Senioren sind nicht bereit, Stunden zu investieren, um das Gerät zu verstehen", meint Neth. Daher arbeitet die Forschungsgruppe zusammen mit der Firma Siemens an der Entwicklung eines seniorengerechten Handys, das übersichtlich und graphisch unterstützt mit einer Wählscheibe Telefon- oder SMS-Funktionen aktiviert. "Sentha ist auf großes Interesse gestoßen", meint Neth, "es ist ein heißes Thema, das bislang brach lag." Informationen im Internet unter: sentha.tu-berlin.de.