"Nicht schon wieder"

New York . Bei den beiden Todesopfern des Flugzeugunglücks in New York handelte es sich um Baseballstar Cory Lidle und seinen Fluglehrer. Sie waren mit ihrem Kleinflugzeug in ein 52-stöckiges Hochhaus gerast.

Fliegen, so hatte der 34-jährige Baseballstar Cory Lidle vor zwei Wochen gesagt, sehe er als sicher an. Er beherrsche das Metier, und zudem habe sein Flugzeug - eine einmotorige Cirrus SR 20 - einen Fallschirm, der im Notfall die Maschine wieder auf den Erdboden gleiten lässt. Doch am Mittwoch um 14.45 Uhr Ortszeit halfen auch Pilotengeschick und Rettungseinrichtungen nicht. Das offenbar außer Kontrolle geratene Flugzeug bohrte sich - Lidle und einen Fluglehrer an Bord - in den 30. und 31. Stock des 52-geschossigen "Belaire"-Appartmentkomplexes - und bescherte den New Yorkern Momente des Entsetzens und der Angst, erneut einer Terrorattacke ausgesetzt zu sein. Die Rauchsäule, die nach dem Aufprall über die Stadt hinwegzog, erinnerte viele Betrachter an die Qualmwolken nach dem Einschlag des ersten entführten Flugzeugs in das World Trade Center. In den ersten Minuten herrschte in der Umgebung des Unglücksortes deshalb Panik, zumal - wie am 11. September 2001 - eine Kaskade von Trümmerteilen auf die Gehsteige und Straßen rund um das Gebäude geregnet war. "Ich zitterte am ganzen Körper", berichtete die 40-jährige Sara Green, die schräg gegenüber wohnt, "die bösen Erinnerungen an Flugzeuge, die in Gebäude fliegen, waren auf einmal wieder da." Auch die prominente Krimi-Autorin Carol Higgins Clark - sie lebt im 38. Stock des Belaire - zeigte sich geschockt. Sie war im Taxi auf dem Heimweg, sah plötzlich meterhohe Flammen aus ihrem Gebäude schlagen: "Normalerweise bin ich um diese Zeit zu Hause." Doch die Bewohner der zerstörten Wohnungen blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Diane Tarantini, die in der Nähe in einem Cafe saß, hatte Mühe, die Fassung zu bewahren: "Es gab einen Feuerball und einen gewaltigen Schlag. Ich dachte nur: Nicht schon wieder." Auch im Zentralkommando der US-Militärs rechnete man offenbar zunächst mit einer Terrorattacke und startete eine Flotte von F-16-Kampfjets, die im Luftraum von New York und anderen Großstädtem patroullierten. Präsident George W. Bush wurde ebenfalls informiert, eine Evakuierung des Weißen Hauses unterblieb allerdings diesmal. Mehr als 100 Feuerwehrleute eilten zum Unglücksort, um die aus mehreren Appartments schlagenden Flammen zu bekämpfen. Antiterror-Trupps riegelten fast die "Upper East Side" ab - jenes von Schauspielern, Anwälten, Bankiers und Millionären bevorzugte Stadtviertel. Und FBI wie auch Heimatschutz-Ministerium aktivierten ihren "Antiterror-Plan". Doch wenig später gab Bürgermeister Michael Bloomberg Entwarnung und sprach von einem "tragischen Unfall". Sportstar Lidle, der im vergangenen Jahr die Pilotenlizenz erworben hatte, wollte den Flug zur Auffrischung seiner Kenntnisse nutzen - und zu einer Panorama-Runde. Der Baseball-Spieler der "New York Yankees" und sein Fluglehrer starteten vom Flughafen Teterboro in New Jersey. Was zur Tragödie führte, ist unklar. Die Leichen wurden auf dem von Trümmern übersäten Bürgersteig gefunden. Kurz vor dem Absturz hatten die beiden noch in etwa 350 Metern Höhe die Freiheitsstatue umkreist - eine Flugroute, die nach Angaben der Luftfahrtbehörden keine Regeln verletzte. Denn die nach dem 11. September 2001 verhängten Beschränkungen über der Stadt sind wieder gelockert worden, vor allem Privatflieger tummeln sich gerne über Manhattan. Solange sie einen Flugplan anmelden, gibt es laut Luftfahrtbehörde FAA "keine Bedenken." Antiterror-Experten äußerten erhebliche Bedenken: Diese Regelung sei über einer Stadt, in der Millionen Menschen auf engstem Raum leben, eine "schmerzhafte Sicherheitslücke." Ein Selbstmord-Attentäter könne mit einem mit Sprengstoff beladenen Flugzeug hunderte von Menschen mit sich in den Tod reißen. Und: Dass es am Mittwochnachmittag nur zwei Opfer gegeben habe, sei "ein Wunder."

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