Nicht so schlimm

Hilfe, die deutschen Autofahrer kennen die Verkehrsvorschriften nicht! Wieder einmal ertönt der Warnruf der Experten. Eine Umfrage weist auf Wissenslücken hin. Verwunderlich ist das nicht. Besonders schlimm allerdings auch nicht.

Das eigentliche Problem im deutschen Straßenverkehr ist nicht das fehlende Wissen der Fahrer, sondern die fehlende Umsetzung von vorhandenem Wissen. Was schadet es, wenn ein Autofahrer fälschlicherweise annimmt, er müsse neben Warndreieck und Erste-Hilfe-Kasten auch Ersatzreifen und Warnweste mitführen? Gar nichts. Es zählt in der Untersuchung aber trotzdem als falsche Antwort. Wenn eine Vorschrift einen Fahrer nicht betrifft, droht auch keine Gefahr, wenn er sie nicht kennt. Jeder vierte Autofahrer etwa wusste nicht über die in Deutschland geltende 0,5-Promillegrenze Bescheid. Solange er nicht betrunken fährt, ist das egal. Schließlich kennen sich meist gerade diejenigen mit den Alkohol-Grenzwerten perfekt aus, die sie regelmäßig überschreiten. Die Untersuchung zeigt auch, dass die meisten Fahrer Vorschriften, die sie direkt betreffen, kennen: das Telefonierverbot ohne Freisprecheinrichtung und die Anschnallpflicht. Auch wie Kinder gesichert werden müssen, wissen die meisten. Trotzdem sieht man immer wieder Kinder, die nicht in dem vorgeschriebenen Sitz sitzen. Gefragt ist da die Selbstdisziplin der Eltern, ihr Wissen anzuwenden. Das Gleiche gilt für alle, die trotz Tempo-70-Beschränkung mit 130 Stundenkilometern über die Landstraße rasen. Wie schnell sie fahren dürfen, wissen sie genau. Zum Schutz des Lebens anderer Menschen - und auch ihres eigenen - müssen die Autofahrer lernen, sich an die Vorschriften zu halten. w.lenders@volksfreund.de