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Niedrige Zinsen bedrohen Geschäftsmodell regionaler Banken

Niedrige Zinsen bedrohen Geschäftsmodell regionaler Banken

Warum auch Personalabbau, Gebührenerhöhung und Filialschließungen an Grenzen stoßen.

Die lange Niedrigzinsphase gefährdet mittelfristig die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken mit ihren Geschäftsmodellen. Dies wurde beim dritten Bankengipfel des Trierischen Volksfreunds mit Vorständen der vier regionalen Sparkassen und von drei regionalen Volks- und Raiffeisenbanken deutlich.

An ein schnelles Ende der EZB-Politik glauben die Vorstände nicht. "Wir haben zunächst von einer Niedrigzinsphase gesprochen, dann von Nullzinsphase und nun von Negativzinsphase. Das müsste aus ökonomischer Sicht ein Ende haben. Aber es ist eine politische Frage, und es fehlt mir die Fantasie zu sagen, wann diese Phase enden könnte", sagt Michael Hoeck, Vorstandschef der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank, Wittlich. Für regionale Finanzinstitute eine schwierige Lage. Ihr Geschäftsmodell beruht auf dem Kredit- und Einlagengeschäft mit vielen "kleinen" Kunden. Wenn aber die Zinsen zu gering sind, fehlt den Banken die Möglichkeit, mit dem Zinsunterschied Gewinne zu erwirtschaften. Und die Bankenaufsicht drängt die Institute dazu, andere Einnahmequellen zu erschließen. Personalabbau, Gebührenerhöhung, Filialschließungen? Stephan Alt, Vorstand der Kreissparkasse Vulkaneifel, sieht nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten: "Die kleinen Banken müssen mit der gleichen Regulatorik laufen wie die großen.

Doch es gibt für jedes Haus einen Punkt, wo Personaleinsparungen und neue Gebühren nicht mehr ausreichen werden." Mittelfristig führe das zur Konzentration: "Es könnte irgendwann nur noch eine Sparkasse im nördlichen Rheinland-Pfalz geben."

Die regionalen Akteure sind der Meinung, dass es Sparkassen und Volksbanken an der notwendigen Lobby fehle. In den hohen Sphären der EU wolle man die genossenschaftliche Idee der Volksbanken und des öffentlich-rechtlichen Sparkassenwesens nicht verstehen. Die europäische Bankenlandschaft sei vom angelsächsischen Bankensystem mit großen Instituten geprägt, während ein kleinteiliges Bankensystem nach deutschem Vorbild unbekannt ist.

Geschäftsmodelle wie die der Volksbanken und Sparkassen seien aber auch ein Spiegelbild der Regionen. Gleichwohl sind sich die Vorstände einig, die Herausforderung anzugehen. Vor allem beim Thema Digitalisierung haben Sparkassen und Volksbanken einiges vor. Die persönliche Nähe soll auch mit den neuen Techniken ein Vorteil gegenüber Mitbewerbern sein. Doch nicht nur die Geldinstitute stehen unter Druck: Die Niedrigzinsphase hat den Deutschen von 2010 bis 2016 zwar Erleichterungen von 144 Milliarden Euro bei den Kreditzinsen gebracht, gleichzeitig aber den Sparern einen Verlust von 343 Milliarden Euro bei Guthabenzinsen beschert.