Noch ein weiter Weg

Für einen verurteilten Mörder dauerte kürzlich in Florida die Hinrichtung zehn Mal solange, wie man normalerweise benötigt, um einen Hund einzuschläfern: 34 Minuten. Entsetzte Augenzeugen berichteten von einem qualvollen Todeskampf nach Verabreichung der üblichen Gift-Mischung, und nun hat dieser US-Bundesstaat endlich die längst überfällige Konsequenz gezogen: Die vorläufige Aussetzung aller Exekutionen.

Kalifornien verlängerte gleichzeitig einen zuletzt verhängten Stopp für die angeblich als human geltende Giftspritze. Sind diese Entwicklungen weitere Indizien dafür, dass die Tage der Todesstrafe in den USA gezählt sind? Eine Justiz-Statistik hat kürzlich gezeigt, dass die Zahl der Todesurteile weiter deutlich zurückgeht - eine Resultat der Tatsache, dass immer häufiger Geschworene Unbehagen empfinden und es nicht riskieren wollen, wie in der Vergangenheit geschehen, möglicherweise auch einen Unschuldigen exekutieren zu lassen. Doch bis zu einem Schlussstrich unter diese mittelalterliche Sanktionsform scheint es noch ein weiter Weg. Denn wie die Situation in Kalifornien zeigt, sorgen sich Gerichte heute vor allem darum, künftig Delinquenten schmerzloser als bisher aus der Welt zu schaffen. Ein striktes Verbot von Hinrichtungen steht bei den derzeitigen juristischen Auseinandersetzungen nicht zur Debatte. Die Befürworter der Todesstrafe werden sich also noch länger gefallen lassen müssen, dass man die USA in einem Atemzug mit totalitären Staaten wie Iran, Nordkorea oder China nennt. Dort ist ebenfalls noch der Henker im Einsatz - in Ländern, auf die man sonst in den Vereinigten Staaten wegen ihrer Demokratie-Defizite und Menschenrechts-Bilanz gerne verächtlich herabschaut. nachrichten.red@volksfreund.de