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Nur ein Tarif für Mann und Frau - Ein Überblick für Verbraucher

Nur ein Tarif für Mann und Frau - Ein Überblick für Verbraucher

Männer und Frauen sind vor der Versicherung bald gleichberechtigt. Denn Ende Dezember ist Schluss mit unterschiedlichen Tarifen für weibliche und männliche Kunden. Was bedeutet das für Verbraucher? Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Versicherungen und was man dabei beachten soll.

Rente: Nicht drängen lassen


Maximal von Experten erwartete Kostensteigerung:10 Prozent (für Männer)
Was tun? Besonders bei der privaten Rentenversicherung befürchtet Versicherungsexperte Michael Wortberg, dass die Konzerne die Gelegenheit nutzen werden, die Leistungen mit dem Wechsel in die Unisex-Welt deutlich herunterzufahren. Darauf sollten insbesondere Frauen achten, die nach dem 21. Dezember einen Vertrag zu den neuen Bedingungen abschließen. Will heißen: Die private Rente kann möglicherweise billiger werden, doch die Leistungen im Alter sind geringer. Laut Wortberg gibt es Indizien dafür, dass die Versicherungsbranche angesichts der schwierigen Lage auf den Finanzmärkten beispielsweise die Überschüsse runterfahren wird. Denkbar sei auch, dass die garantierten Renten geringer ausfallen werden. Deshalb rät der Experte insbesondere Frauen, genauestens auf die Details des Versicherungsvertrags zu achten. Männer, für die Neuverträge teurer werden, sollten nur dann noch vor dem 21. Dezember eine Police zu alten Bedingungen abschließen, wenn sie dies ohnehin vorhatten und sich bereits intensiv mit den Angeboten verschiedener Versicherer beschäftigt haben. Wortbergs Tipp: "Lassen Sie sich auf keinen Fall drängen. Das Produkt, das man Ihnen anbietet, muss auch zu Ihrem Bedarf passen." ck
Kfz: Kein Grund zur Panik


Maximal von Experten erwartete Kostensteigerung: 20 Prozent (für Frauen)
Was tun? Die Autoversicherung ist eine der wenigen Policen, die in der Unisex-Welt für Frauen teurer wird. Lady-Tarife wird es nicht mehr geben. Frauen sollten deshalb aber nicht in Panik verfallen, sagt Experte Michael Wortberg. Wichtiger ist es, einen günstigeren Anbieter zu finden: Wie jedes Jahr gilt, dass man die Kfz-Versicherung zum 30. November kündigen kann. Hierzu sollte man entweder einen Versicherungsmakler engagieren, dessen Provision aber in den Versicherungstarif eingerechnet wird, oder man nutzt einige der Vergleichsportale im Internet. Wortberg rät dazu, mindestens zwei bis drei Vergleichsportale parallel zu nutzen. Oder man investiert 16 Euro und holt sich eine Auskunft der Stiftung Warentest. Mit Blick auf die Unisex-Tarife ist eine Kündigung bis zum 30. November aber nicht nötig. Wortberg schätzt, dass die ersten Versicherer in der nächsten Woche die ersten Beitragsbescheide der Unisex-Welt verschicken. Erhält man eine Beitragserhöhung etwa zum 12. Dezember, dann hat man noch bis zum 12. Januar Zeit, die Versicherung zu kündigen und zu einer günstigeren zu wechseln. Aber auch dann gilt: Man sollte nicht zur günstigsten Police greifen, sondern sehr genau auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten. ck
Krankenversicherung: Vorsichtig prüfen


Maximal von Experten erwartete Kostensteigerung: 40 Prozent (für Männer)
Was tun? Das Thema private Krankenversicherung bereitet Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Bauchschmerzen: "Wir raten niemandem mehr offensiv dazu, in die private Krankenversicherung zu wechseln." Hintergrund seien die enormen Beitragssteigerungen der vergangenen Jahre. Diese Vorsicht lässt Wortberg auch beim Thema Unisex-Tarife walten. Dennoch sollten Männer schnell prüfen, ob eine spezielle Männerpolice für sie Vorteile birgt. Doch dies sei nicht risikolos. "Denn diese Tarifgruppen vergreisen mit den Jahren." Außerdem werden die Frauen in die Unisex-Tarife flüchten, so dass es im Alter sehr kostspielig werden könnte, in diesem traditionellen Männer-Tarif versichert zu sein. In jedem Fall besteht in der privaten Krankenversicherung ein Wechselrecht - auch noch in zehn Jahren. Allerdings: Kunden, die einmal von Bi- auf Unisex umgestellt haben, dürfen nicht mehr in den alten Vertrag zurückkehren. Wer seine Kinder nach dem 21. Dezember nachversichern möchte, muss den Unisex-Tarif bezahlen. Eine Nachversicherung in denselben Tarifen wie die Eltern gibt das Versicherungsrecht laut Verbraucherexperten nicht her. Also sollte man diese Frage vor dem Stichtag klären. ck
Lebensversicherung: Risiko schnell absichern


Maximal von Experten erwartete Kostensteigerung: 60 Prozent - Risiko-Leben (für Frauen), 5 Prozent - Kapital-Leben (für Frauen)
Was tun? Bei der Kapitallebensversicherung sieht der Experte Michael Wortberg keinen Handlungsbedarf für Frauen, da die Kosten hier nur minimal steigen. Vielmehr rät er Frauen wie Männern dazu, generell zu prüfen, ob eine Kapitallebensversicherung den Bedürfnissen entspricht. Aus seiner Sicht bietet eine private Rentenversicherung deutlich bessere Konditionen. "Die Kapital-Leben ist nicht mehr zeitgemäß", sagt er. Anders sieht es bei der Risikolebensversicherung aus. Hier sieht Wortberg bei Frauen akuten Handlungsbedarf - angesichts einer erwarteten Kostensteigerung von bis zu 60 Prozent. Aber auch hier gilt: Der Bedarf muss bestehen. Sinnvoll sei die Versicherung etwa, um ein Darlehen abzusichern. Und insbesondere bei Frauen kann es sinnvoll sein, das Sterberisiko abzusichern. Denn oft muss die Familie nach dem Tod unter anderem eine Haushaltshilfe anstellen. Generell rät Experte Wortberg allerdings Männern wie Frauen: Wenn ein Risiko besteht, das abgesichert werden muss, dann sollte sich niemand auf eine Tarifdebatte einlassen, sondern schnell handeln. ck
Berufsunfähigkeit: Gesunde schnell handeln


Maximal von Experten erwartete Kostensteigerung: 35 Prozent (für Männer)
Was tun? Berufsunfähigkeitsversicherungen sind bei der Verbraucherzentrale zurzeit das Topthema. Zu zwei Infoveranstaltungen kamen jeweils 60 Zuhörer, berichtet Experte Michael Wortberg. Hintergrund ist, dass die Versicherung für Männer deutlich teurer wird, sie aber angesichts der zurückgefahrenen staatlichen Absicherung zum Muss bei den Policen gehört. Problem ist allerdings, dass viele Versicherer mittlerweile die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit nicht mehr absichern. Wer wegen psychischer Probleme oder Rückenproblemen in Behandlung war, bekommt keine Versicherung. "Psychische Probleme fürchten die Versicherer wie der Teufel das Weihwasser. Das ist aber eine Riesenungerechtigkeit, weil es die häufigste Ursache ist, warum sich Arbeitnehmer krankmelden." Daher sollten nur diejenigen Männer noch bis 21. Dezember eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, die gesund sind - dies aber so schnell wie möglich. Bei ihnen kann die Prüfung in zwei Wochen abgeschlossen sein, also noch vor dem Stichtag. Allen anderen rät er zur anonymisierten Prüfung der Unterlagen im Internet unter www.buforum24.de. Dies ist die Adresse eines Spezialisten aus Schleswig-Holstein. ck
Pflege: Ab 40 Jahren bald handeln


Maximal von Experten erwartete Kostensteigerung: 70 Prozent (für Männer)
Was tun? Laut Versicherungsexperte Michael Wortberg ist die Pflegetagegeld-Versicherung eine wichtige Police, über die man angesichts steigender Kosten für die Pflege und der zunehmenden Krise der gesetzlichen Pflegeversicherung nachdenken sollte. Je geringer die Rente ist, umso größer klafft die Lücke, die man bei der Pflege schließen müsse. Besonders betroffen seien jene Frauen, die im Alter nur von einer Witwenrente leben müssen oder wegen großer Lücken in ihrer Erwerbsbiografie wenig Altersgeld bekommen. Eine Pflegetagegeld-Versicherung sollte man möglichst früh, aber nicht vor dem 40. Lebensjahr abschließen, rät Wortberg. Denn erst dann zeigt sich, wie groß die Lücke ist, die man im Alter möglicherweise schließen muss. Angesichts der hohen Kosten, die Männern nach dem 21. Dezember durch die Unisex-Tarife drohen, sollten sie laut Wortberg möglichst bald handeln. Jüngere Männer sollten entweder eine Umstiegsgarantie ohne Gesundheitsprüfung für Unisex-Tarife aushandeln oder sich noch etwas gedulden. Denn, sagt Experte Wortberg, der Staat wird ab nächstem Jahr private Pflegezusatzversicherungen fördern. Dies sollte man auf jeden Fall abwarten. ck