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Nur mit Glück hat das Baby die Qualen überlebt

Nur mit Glück hat das Baby die Qualen überlebt

Hat ein 32-jähriger Vater aus Bitburg sein vier Monate altes Baby bewusst gequält, oder hat er es aus Unwissenheit lebensgefährlich verletzt? Seit gestern muss sich der Mann vor dem Trierer Landgericht verantworten.

Trier. Es gibt Dinge, die sind unerträglich für Eltern. Wenn ein Vater zum Beispiel allen Ernstes behauptet, er wollte einen vier Monate alten Säugling, der angeblich nicht mehr geatmet hat, mit Drücken auf den Brustkorb, dem Zuhalten der Nase und heftigem Schütteln wiederbeleben und sich nachher wundert, dass das Kind fast an dadurch zugefügten Verletzungen gestorben ist. Oder wenn er sagt, er habe das Baby "bis unter die Decke" geworfen, und dabei sei es ihm hingefallen und mit den Beinen auf den Tisch geknallt.

Immer wieder schütteln anwesende Eltern im Saal 66 des Trierer Landgerichts den Kopf, als sie den leisen, kaum zu verstehenden, hageren, bleichen Mann mit Halbglatze zuhören. Es ist auch unerträglich, wenn Markus G., Vater der kleinen Juanna, die in einem Monat ein Jahr alt wird, seine unprofessionellen und brutalen Wiederbelebungsversuche als Rettung des angeblich bewusstlosen Babys darstellt, obwohl die Ärzte sagen, dass es Glück gehabt hat, dass es diese überhaupt überlebt hat.

Die ärztlichen Diagnosen widerlegen die Aussagen des Vaters: Die Verletzungen - zahlreiche, zum Teil ältere blaue Flecken, eine Prellung der Nase, Einblutungen hinter den Augen, eine ältere Brandwunde an der linken Hand, die bei der Kleinen im Januar im Trierer Mutterhaus festgestellt worden sind, - seien eine "klare Folge von Misshandlung", sagt der damals behandelnde Oberarzt Karl-Heinz Ludwig. Anzeichen für einen Atemstillstand finden die Ärzte hingegen nicht.

Doch G. bleibt bei seinen Schilderungen. Dabei hat ihm der Vorsitzende der dritten Großen Strafkammer, Richter Armin Hardt, gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstags eine Brücke gebaut. Wenn er die Misshandlungen gestehe, könne nicht nur der Prozess verkürzt und der 19jährigen Mutter des Kindes die Aussage am Montag erspart werden, sondern er könne auch mit einer deutlich milderen Strafe rechnen. Immerhin geht es um eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren für den Vater. Als G. dann nach einem Gespräch mit seinem Pflichtverteidiger Karl-Josef Theisges unter Tränen sagt "Es ist halt passiert", rechnen zunächst alle im Saal damit, dass nun ein Geständnis kommt. Doch G. hat keine plausible Erklärung für die zahlreichen gebrochenen Rippen, die gebrochenen Unterarme und die anderen Verletzungen, die bei einem zweiten Klinikaufenthalt im Februar bei dem Baby festgestellt wurden. Mehr als einmal bezeichnet Hardt G.`s Aussagen als "abenteuerlich". Wenn der arbeitslose 32-Jährige, der sich seit Jahren mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, etwa die Brandwunde an Juannas Hand, die laut Medizinern eindeutig von einer glühenden Zigarette stammt, mit einer zu heißen Wärmflasche zu erklären versucht. Ob G., der bereits einen zehnjährigen Sohn aus einer anderen Beziehung hat, womöglich das Baby bewusst gequält hat, oder ob er ihm die Verletzungen tatsächlich aus völliger Unwissenheit zugefügt hat, erschließt sich zunächst nicht. Man kann einfach nicht glauben, dass ein Vater so naiv sein kann.