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Obama kommt zum Brandenburger Tor

Obama kommt zum Brandenburger Tor

Diesmal darf Barack Obama eine Rede vor dem Brandenburger Tor halten. Allerdings wird er am 19. Juni nicht mehr vor 200 000 Menschen wie noch vor fünf Jahren sprechen, sondern nur noch vor etwa 1000.

Berlin. Die Vorauskommandos sind längst in der Stadt - wenn der US-Präsident ins Ausland reist, fliegt der Secret Service frühzeitig vorneweg. Bei Barack Obamas Besuch am 18. und 19. Juni in Berlin gilt die höchste von drei Sicherheitsstufen. Mehr noch, Experten sprechen dann gerne von "1 plus".
Berlin bereitet sich auf die lang ersehnte Visite vor, die Erwartungen sind hoch. Diesmal darf er auch direkt vor das Tor: Am 19. Juni wird Obama am Brandenburger Tor eine Rede halten. Sie soll der Höhepunkt des Besuches werden. Freilich wird sie nur vor ausgewähltem Publikum stattfinden. Von maximal 1000 Plätzen ist aufgrund der räumlichen Gegebenheiten am Pariser Platz die Rede. 2008 war das noch anders: Bei seinem Berlin-Besuch als Präsidentschaftskandidat musste Obama zwar an die Siegessäule ausweichen. Aber 200 000 Menschen konnten zuhören. Kanzlerin Angela Merkel war damals gegen einen Auftritt am Tor - sie wollte nicht, dass das geschichtsträchtige Symbol für den US-Wahlkampf missbraucht wird. Jetzt wird von Regierungsseite betont, dass die Kanzlerin den Präsidenten ausdrücklich dazu eingeladen habe. Damit dürften beide wohl die immer wiederkehrende Debatte beenden wollen, dass die Begebenheit die Beziehung zueinander belastet.
Obama tritt mit seinem Auftritt in die Fußstapfen seiner großen Vorgänger John F. Kennedy und Ronald Reagan, die beide in Berlin historische Reden gehalten haben. Der eine sprach 1963 den Satz: "Ich bin ein Berliner!" Der andere forderte 1987: "Mister Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" Die Erwartungen an Obama sind entsprechend hoch: Ruprecht Polenz (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, rechnet fest damit, dass auch Obama einen markanten Satz für die Geschichtsbücher finden wird. Der Präsident werde zudem die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Beziehungen herausstellen und "auch die Europäer daran erinnern, dass wir in unserer Nachbarschaft mehr Verantwortung übernehmen müssen". Er wäre nicht überrascht, sagt der SPD-Außenpolitiker Gernot Erler, wenn Obama die Gelegenheit nutze, "aktuelle Aussagen zur amerikanischen Position in Sachen Syrien und Iran zu machen". Solche viel beachteten Auslandsauftritte würden amerikanische Präsidenten auch immer für Botschaften an das eigene Land nutzen, so Erler zu unserer Zeitung.
Inzwischen steht fest, wo Obama nächtigen wird: Nach Wochen intensiver Überprüfungen verschiedener Fünf-Sterne-Hotels entschied sich Obamas Stab für das Ritz-Carlton am Potsdamer Platz. Den Berliner Senat soll dies überrascht haben. Denn meistens steigen besonders illustre Staatsgäste im Interconti nahe dem Kudamm ab, das als sehr sicher gilt. Bei seinem Besuch im Juli 2008 hatte Obama im Adlon übernachtet. has