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Obama versucht weiteren Brückenschlag

Obama versucht weiteren Brückenschlag

US-Präsident Barack Obama reist zum ersten Mal in seiner Amtszeit in die arabischen Zentren der Macht. Morgen tritt er mit einer Rede in Kairo an, in der er etwa gemeinsame Anstrengungen gegen religiös motivierten Extremismus und Radikalismus fordert.

Washington. Es soll eine Rede werden, wie sie sein Vorgänger in acht Jahren Amtszeit stets vermieden hat: Eine direkte Ansprache in einem moslemisch dominierten Staat an die arabische Welt. Das Ziel von US-Präsident Barack Obama scheint dabei klar: Ein Tauwetter in den durch die 9/11-Anschläge, Guantanamo und die Kriege im Irak und Afghanistan strapazierten Beziehungen zwischen den USA und islamischen Nationen heraufzubeschwören. Doch wenn Obama morgen bei seinem spektakulären Auftritt in der Universität Kairo erneut sein Interesse an einem von Respekt und Kooperation geprägten Verhältnis zu Millionen Moslems in der Welt bekräftigt, verbindet er damit auch handfeste außenpolitische Interessen.

Dialog soll gemeinsame Werten betonen



Er will, das machten Berater vor der Abreise deutlich, nicht nur verstärkte gemeinsame Anstrengungen gegen religiös motivierten Extremismus und Radikalismus fordern, sondern auch von anderen Ländern Beiträge bei der Suche nach einem dauerhaften Frieden zwischen Israel und den Palästinensern einfordern.

Es gehe darum, in einen "Dialog zurückzufinden, der die gemeinsamen Werte betont," charakterisierte Denis McDonough, einer der sicherheitspolitischen Strategen Obamas, jetzt die Zielsetzung. Damit gewinnt der Auftritt in Ägypten - im Gegensatz zu dem danach anstehenden und trotz des Treffens mit Angela Merkel als "überwiegend privat" deklarierten Kurz-Abstecher nach Deutschland - eine hochpolitische Dimension.

Doch bevor Obama in der Kairoer Universität seine Teleprompter aufbauen lässt, steht zuvor noch ein Zwischenstopp in Riad an. Dort geht es für den US-Präsidenten vor allem um zwei Themen: Der seit Wochen wieder im Aufwärtstrend liegende Ölpreis, der die Rezessionsbekämpfung in den USA nicht gerade erleichtert, sowie das Dauerbrennerthema Nahost-Frieden, bei dem Obama einen neuen diplomatischen Anlauf gestartet und zuletzt vor allem den Druck auf Israel erhöht hat. Doch trotz dieses verstärkten Engagements dürften jene in der arabischen Welt enttäuscht sein, die bei der Kairo-Rede auf konkrete politische Initiativen warten. Sein Auftritt diene vor allem der Klimaverbesserung, heißt es im Weißen Haus, und dafür werde Obama auch seine persönliche Vergangenheit bemühen - wie die Fakten, dass zu seinem Verwandtenkreis Moslems zählen und er selbst einen moslemischen Namen trägt: Barack Hussein Obama.

Gespannt blicken vor allem Menschenrechts-Gruppen in Washington darauf, wie der Präsident das "Minenfeld" ("Wall Street Journal") durchquert, das in Ägypten auf ihn wartet. Denn Obama hat sich für die Ansprache einen autoritären Staat ausgesucht, in dem politische und wirtschaftliche weitgehend ausgeblieben sind.

Auf der anschließenden Reise nach Deutschland besucht Obama Dresden, das ehemalige KZ Buchenwald, und das US-Militärhospital Landstuhl.

Hintergrund

Krefelder wollen Obama "an den Kragen": Mit einem persönlichen Gastgeschenk wollen die Krefelder dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama "an den Kragen". Obama wird am Donnerstag zu einem Besuch in Dresden erwartet und sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen. Diese Gelegenheit wollen die Krefelder nutzen und dem Gast eine Geschenkbox mit handgefertigten Krawatten zukommen lassen. Obama habe sich dazu bekannt, ein besonderer Krawatten-Fan zu sein. Die Stadt Krefeld wurde durch die Kunst des Seidenwebens und die Textilindustrie im 18. und 19. Jahrhundert bekannt. Sie gilt auch heute noch als "Krawattenhauptstadt" Deutschlands. Acht von zehn bundesweit verkauften Krawatten kommen aus Krefeld.