Odyssee ohne Happy-End

TRIER. Krippenplätze sind vielerorts Mangelware. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt ein nervenaufreibender Balance-Akt. Katharina Stysial und Günther Heil aus Trier erfahren das gerade am eigen Leib.

"Ob wir ein zweites Kind bekommen, hängt von den Betreuungsmöglichkeiten ab", sagt Günter Heil, junger Vater aus Trier. Seine Frau, Katharina Stysial, ist Kunsthistorikerin und Soziologin. Seit vier Monaten sind sie Eltern, Julian heißt der Kleine. Bis zur Geburt arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Trier. Günther Heil koordiniert ein Forschungsprojekt, das nur im Rahmen einer Vollzeitstelle zu bewältigen ist. Für die Eltern stand schon sehr früh fest, dass Katharina Stysial die Arbeit an ihrer Promotion wieder aufnehmen wird, wenn der Junior sechs Monate alt ist. "Der Einstieg zu diesem Zeitpunkt ist für sie wichtig, ansonsten schmälern sich ihre beruflichen Perspektiven. Einen zu langen Ausstieg kann sie sich nicht erlauben", sagt Günther Heil. Schon in der frühen Schwangerschaft haben sich die Eltern auf die Suche nach einem Krippenplatz gemacht. Schnell fielen die sorgfältig geschmiedeten Zukunftspläne wie ein Kartenhaus zusammen. Immer wieder hörten sie den gleichen Satz von den wenigen Krabbelgruppen in Trier: "Wir haben eine ellenlange Warteliste und können ihnen kaum Hoffnung machen." Günter Heil und Katharina Stysial sind sauer: "Dieser Staat lässt seine Bürger bei der Betreuung von Kindern weitest gehend alleine." Aus vielerlei Gründen ziehen sie einen Krippenplatz einer Tagesmutter vor: Krippen seien transparenter, die Erzieherinnen hätten anders als viele Tagesmütter ihren Job gelernt. Außerdem wirke sich das Zusammensein mit Gleichaltrigen positiv auf das Sozialverhalten aus. Zudem kämen für eine Tagesmutter mindestens 500 Euro pro Monat an Kosten auf die Familie zu. Dennoch bleibt ihnen wohl nur diese Alternative. Der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) in Trier hat den Mangel an Betreuungsmöglichkeiten für Kleinstkinder längst erkannt und mit einer Tagesmutterbörse reagiert. In einer mehrteiligen Qualifizierungsmaßnahme erhalten die Tagesmütter Informationen von der Entwicklungspsychologie des Kindes bis hin zu rechtlichen Regelungen. Regelmäßig laden pädagogische Fachkräfte zu Tagesmüttertreffen ein. Doch auch hier kristallisiert sich ein Problem heraus: "Die Nachfrage nach Tagesmüttern ist größer als das Angebot", sagt Sozialpädagogin Jutta Lengert. Und wieder liegen der Familie Heil/Stysial Steine im Weg. Nach der "Betreuungs-Odyssee", bei der ein Happy-End noch nicht in Sicht ist, kommen Julians Eltern zu dem Schluss: "Entweder man zahlt als Eltern einen hohen Preis, oder der Kinderwunsch muss zurück gestellt werden." Dem Gejammere über den demographischen Wandel und der Tatsache, dass vor allem Akademiker immer seltener Kinder bekämen, müssten endlich Taten folgen, sagt Günther Heil. Dass Julian ein Geschwisterkind bekommen wird, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Akademikerinnen mit Kind sind gelackmeiert. Ihre Berufsmöglichkeiten schwinden - und das ist auch volkswirtschaftlich ineffizient. Laut Günther Heil würde ein Blick ins Nachbarland Frankreich schon genügen, in dem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf staatlich gefördert wird: "Dort liegt die Geburtenrate bei zwei Kindern pro Frau, in Deutschland bei 1,3."