Öl für die Paläste des Diktators

Öl für die Paläste des Diktators

NEW YORK. Es sind ungemütliche Tage für UN-Generalsekretär Kofi Annan. Jeden Tag dringen neue Einzelheiten ans Licht, die auf der blütenweißen Weste des Friedens-Nobelpreisträgers Flecken hinterlassen könnten. Es geht um das von den Vereinten Nationen durchgeführte wie überwachte "Öl-für-Lebensmittel"-Programm.

Handelsverträge im Wert von 100 Milliarden US-Dollar wurden abgewickelt, doch mit rechten Dingen ging es nach den bisherigen Fakten selten zu: So soll die Familie des gestürzten irakischen Diktators Saddam Hussein unter den Augen der Uno nicht nur Milliarden-Beträge aus den Transaktionen für sich selbst abgezweigt haben. Im Fadenkreuz stehen auch hochrangige UN-Mitarbeiter wie Kofi Annans mittlerweile beurlaubte rechte Hand Benon Sevan, der als Programm-Direktor Dokumenten zufolge höchst zwielichtige Öl-Transaktionen vorgenommen haben soll. Dabei war Saddam Hussein seit 1996 erlaubt worden, für den Erlös aus Öl-Verkäufen Versorgungsgüter für die unter dem Embargo leidende Zivilbevölkerung zu beziehen.Überhöhte Preise an Scheinfirmen

Während in New York bereits der Begriff des "Kofi-Gate" die Runde macht, trat der UN-Generalsekretär die Flucht nach vorn an. Hatten vor zwei Wochen Sprecher der Weltorganisation noch empört jeden Verdacht über Unregelmäßigkeiten zurückgewiesen, so zeigte sich Kofi Annan am Wochenende bereit, einer unabhängigen Untersuchung zuzustimmen. Vorausgegangen waren harsche Proteste der irakischen Übergangsregierung nach einem Gutachten des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG. Sein Fazit: "Das Programm war geprägt von unerträglichem Betrug." Fest steht, dass zwei Drittel aller Lieferungen in den Irak zu künstlich überhöhten Preisen ausgeführt wurden. Die Lieferanten zahlten, nachdem das Geld von UN-Konten an sie geflossen war, ein Schmiergeld von mindestens zehn Prozent auf eines der Saddam-Privatkonten. Hinzu kommt, dass einige der "Lieferanten" entweder nicht existieren oder nicht zu lokalisieren sind - wie ein russischer Betrieb, der Auto-Ersatzteile in den Irak geschickt haben soll oder eine ägyptische Firma, die einen Strom-Generator "zu Erziehungszwecken" nach Bagdad gebracht haben soll. Das nährt den Verdacht, dass diese Unternehmen Scheinfirmen waren und nur dem Zweck dienten, Geld in die Privatkassen der Husseins zu spülen. "Öl für Paläste" hätte man das UN-Programm besser nennen sollen, lästern Kritiker der Weltorganisation. Kein Wunder, dass Kofi Annan am Freitag eingestand: "Es ist höchstwahrscheinlich, dass es jede Menge unlautere Machenschaften gegeben hat." Ob nun alle Ungereimtheiten ans Licht kommen, erscheint fraglich: Zahlreiche Firmen von Mitgliederstaaten wie Frankreich, Russland und Syrien waren Hauptprofiteure der Geschäfte, bei denen ohne Schmiergeld-Zahlungen an Saddam und windige Mittelsmänner offenbar kaum etwas ging.