Offene Aussprache im Landesamt

Offene Aussprache im Landesamt

Viele Mitarbeiter nehmen kein Blatt vor den Mund: Bei einer Betriebsversammlung im Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) muss sich der umstrittene Amtschef Harald Ehses harte Kritik anhören. Nun sollen die Lage kritisch analysiert und ein neuer Dialog in Gang gesetzt werden.

Mainz. Beteiligte der gestrigen internen Sitzung im geologischen Landesamt berichteten nach der gut dreistündigen Aussprache in der Aula von rund 20 Wortmeldungen. "Eine derartige Offenheit ist mehr als ungewöhnlich", meinte ein Beobachter gegenüber der Rhein-Zeitung verwundert. Mehrfach wurde die Amtsführung des Behördenchefs Harald Ehses kritisiert. Sein Umgang mit Personal wurde angeprangert, mangelnde Kritikfähigkeit beklagt. Manche Mitarbeiter fühlten sich offenbar ungerecht behandelt, Abteilungsleiter sehen sich in ihren Kompetenzen beschnitten. Herrscht im LGB mit seinen 100 Beschäftigten ein Klima der Angst?
Ehses, der für Journalisten gestern nicht erreichbar war, hat dies stets bestritten und als Drohgespenst seiner Gegner bezeichnet. Der Amtschef hatte bei der Betriebsversammlung einzelne Fürsprecher, die dem allgemeinen Tenor trotzten. Überhaupt spricht das Umfeld des langjährigen Behördenleiters von einer Kampagne, von gezielt geschürter Kritik, um ihn politisch mundtot zu machen. Ehses hat sich jüngst viele Feinde gemacht, indem er die Stabilität der Hochmoselbrücke in Zweifel zog und ein hydrogeologisches Gutachten erzwang. Das hat seine Aktien vor allem in der SPD in den tiefsten Keller getrieben. Doch zumindest ein Teil der Konflikte, die jetzt aufbrachen, müssen schon jahrelang geschwelt haben.
Teilnehmer der Versammlung berichteten, dass Professor Ehses sich der Kritik kaum gestellt, formal reagiert, uneinsichtig seinen Führungsanspruch reklamiert habe. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Versöhnungs- und Vermittlungsprozess positiv ausgehen soll, wenn er sich weiter so verhält", meinte Verdi-Landesbereichsleiter Paul-Christian Koch. Aber vielleicht war Harald Ehses auch nur von der Vehemenz der Kritik überfordert. Er und andere werden Zeit zum Nachdenken brauchen. Den nun beginnenden Klärungsprozess steuert die Unternehmensberatung Contract AG aus Karlsruhe. Die Konfliktmanager werden in einen intensiven Dialogprozess eintreten und dann Lösungen vorschlagen. Ende August soll der Abschlussbericht vorliegen, dann entscheidet das Ministerium. Offiziell nennt sich der nun angestoßene Prozess "kritische Analyse der Lage". Das Ziel ist nach Aussage von Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Hüser (Grüne), die dauerhafte Arbeitsfähigkeit des Amtes sicherzustellen.
In der Gesprächs- und Analysephase dürfen im LGB keine wesentlichen Weichen gestellt werden. Das Moratorium bedeutet: Organisatorische Veränderungen sind tabu. Die Abteilungsstruktur bleibt unangetastet. Auch personelle Um- und Neubesetzungen müssen warten. Damit ist auch klar, dass der Ehses-Stellvertreter und Leitende Geologiedirektor Friedrich Häfner nach seinem Ausscheiden Ende des Monats vorerst nicht ersetzt wird. Einer seiner Stellvertreter wird die Amtsgeschäfts wohl vorübergehend übernehmen. Ehses selbst hatte wohl schon eine Ausschreibung vorbereitet, die damit aber auf Eis liegt. Spannend wird die Frage, was der Klärungsprozess am Ende ergibt: Einen Neuanfang im LGB mit Harald Ehses - oder ohne ihn?

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