Ohne Ausländer kein Aufbau

Am Tag der Heimkehr der beiden Entführungsopfer René Bräunlich und Thomas Nitzschke muss die Freude überwiegen, dass die beiden Leipziger Ingenieure nach 15 Wochen in den Händen irakischer Kidnapper wohlbehalten nach Deutschland zurückgekommen sind.

Viele andere, denen das gleiche Schicksal widerfuhr, hatten weniger Glück. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren wurden im Irak etwa 250 Ausländer entführt, 40 von ihnen zum Teil vor laufenden Kameras der Kidnapper ermordet. Schon zu Beginn der Geiselnahme von Bräunlich und Nitzschke sprach allerdings einiges dafür, dass die beiden Leipziger Ingenieure nicht politischen Fanatikern in die Hände gefallen waren, sondern kriminellen Lösegeld-Erpressern - zu vage, wirr und sprunghaft deren ursprüngliche Forderungen. Dass die Bundesregierung für die Freilassung der Deutschen letztlich (wie schon im Fall der Archäologin Susanne Osthoff) einen hohen Preis gezahlt hat, ist ein offenes Geheimnis. Ebenso klar ist auch, dass dies nie offiziell bestätigt werden wird - schon allein, um potenzielle Nachahmer in ihrer Absicht nicht noch zu bestärken. Völlig realitätsfern sind die jetzt vereinzelt zu hörenden Forderungen, dass sich Deutsche künftig aus derartigen Krisen- und Kriegsregionen fern halten sollten. Ein Land wie der Irak, das sich im Wiederaufbau befindet, ist auf Investitionen und das Know-how ausländischer Firmen angewiesen. Was diese Unternehmen aber gewährleisten müssen, ist der Schutz ihrer Mitarbeiter vor Ort. Dies scheint im Fall der beiden Leipziger Ingenieure unterblieben zu sein. Dafür zahlt der deutsche Steuerzahler jetzt die Zeche. r.seydewitz@volksfreund.de

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