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Ohne blaues Auge durch die Krise gekommen

Ohne blaues Auge durch die Krise gekommen

Mehr Passagiere, mehr Fracht: Auf dem Flughafen Hahn ist man optimistisch, dass man die Zahlen in diesem Jahr weiter steigern kann. Der kaufmännische Geschäftsführer, Wolfgang Pollety, äußert sich im TV-Interview.

Lautzenhausen. (wie) Ein turbulentes Jahr liegt hinter dem Flughafen Hahn. Vor einem Jahr stieg die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport als Mitgesellschafterin aus, nachdem sie mit dem Projekt Hahn-Taler, einer Passagier-Gebühr, gescheitert war. Das Land Rheinland-Pfalz übernahm die Anteile und wurde Mehrheitsgesellschafter. Über das zurückliegende Jahr und die Aussichten des Hahn sprach TV-Redakteur Bernd Wientjes mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Wolfgang Pollety (41).

Was hat sich seit dem Ausstieg von Fraport verändert?

Pollety: Nach den anfänglichen Wirren, die ein Gesellschafter-Wechsel mit sich bringt, ist es gut zu wissen, dass wir nun mit dem Land Rheinland-Pfalz einen Gesellschafter haben, der voll hinter uns steht und der den Hahn voranbringen will. Wir haben jetzt Möglichkeiten, die wir vorher mit Fraport nicht hatten.

Die da wären?

Pollety: Fraport hat sich beim Hahn jahrelang nur auf das reine Luftgeschäft konzentriert. Allerdings nur, wenn es dem Frankfurter Flughafen nicht schadete. So wanderte der eine oder andere renommierte Kunde schließlich doch nach Frankfurt und nicht zu uns.

Was sich aber wohl nicht verändert hat, ist das Defizit. Wie werden Sie das Jahr 2009 abschließen?

Pollety: Wir werden wider Erwarten ein besseres Ergebnis haben als 2008. Und zwar ein wesentlich besseres als das von der Fraport geplante, obwohl wir mit Umsatzeinbußen zu kämpfen hatten.

Konkret: Wie wird das Ergebnis 2009 sein?

Pollety: Der Jahresabschluss muss erst noch von den Wirtschaftsprüfern geprüft werden. Ich kann aber sagen, dass das Defizit unter 15 Millionen Euro liegen wird.

Das heißt: Sie sind mit einem blauen Auge durch die Wirtschaftskrise gekommen?

Pollety: Nein, wir sind ohne blaues Auge durch die Krise gekommen. Wir hatten im November mit 21 600 und Dezember und rund 18 000 Tonnen Fracht zwei bombastische Monate, die wir so selbst nicht erwartet hatten. Aufs Jahr gesehen liegen wir bei rund 180 000 Tonnen. Und mit 3,8 Millionen Passagiere liegen wir auf jeden Fall besser als Mitte des Jahres befürchtet.

Ihr Vorgänger hat den Hahn-Taler, eine Passagiergebühr von drei Euro, ins Gespräch gebracht, um das Defizit zu senken. Aus Sicht eines kaufmännischen Geschäftsführers doch eigentlich eine gute Idee, oder?

Pollety: Als kaufmännischer Geschäftsführer muss man sich Gedanken machen, wie man zusätzliche Einnahmen erwirtschaften kann. Die Frage ist aber, ob der Hahn-Taler dafür das richtige Mittel war.

Statt eine zusätzliche Gebühr zu verlangen wollen Sie nun die Passagiere dazu bringen, vor dem Abflug mehr Geld auszugeben und damit die Einnahmen zu verbessern. Glauben Sie, das wird was bringen? Der klassische Billigflieger-Passagier ist doch wohl kaum bereit, mehr Geld am Flughafen zu lassen.

Pollety: Das Gegenteil ist der Fall. Umfragen zeigen, dass unsere Passagiere rund 15 Euro am Flughafen ausgeben wollen, aber derzeit gerade mal ein Drittel davon ausgeben. Das heißt, wenn ein entsprechendes Angebot da ist, wird auch die Nachfrage steigen. Daher werden wir die Verkaufsflächen in der Abflughalle erweitern.

Wo sehen Sie denn noch weitere zusätzliche Einnahmemöglichkeiten?

Pollety: Wir werden gemeinsam mit der neuen Entwicklungsgesellschaft Hahn weiter daran arbeiten, die vorhandenen Immobilien zu vermarkten. Auch bei der Standardeinnahmequelle Parken werden wir neue Konzepte anbieten. Aber unser Kerngeschäft ist und bleibt das Fluggeschäft. Wir müssen alles dransetzen, die kritische Größe zu erreichen, die für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendig ist.

Und wie ist die kritische Größe?

Pollety: Bei den Passagieren peilen wir weiterhin die fünf Millionen an. Zunächst natürlich müssen wir in diesem Jahr die Vier-Millionen-Marke knacken.

Bei der Fracht wollen wir 200 000 Tonnen erreichen.

Und bis wann wollen Sie diese kritische Größe erreicht haben?

Pollety: Realistisch gesehen, in fünf Jahren.

Sie gehen also trotz aller Warnungen davon aus, dass Billigflieger weiter wachsen werden?

Pollety: Die höchsten Wachstumsraten in diesem Bereich liegen hinter uns. Aber dass Billigflieger nicht in der Krise sind, zeigt sich doch gerade. Trotz Wirtschaftsflaute ist die Passagierzahl auf dem Hahn 2009 nur gering zurückgegangen. Der Hahn hat mit seinem Hauptkunden, der irischen Ryanair, einen verlässlichen Partner.

Tatsächlich? Im vergangenen Jahr haben die Iren ja immerhin damit gedroht, sich komplett vom Hahn zurückzuziehen.

Pollety: Das würde ich eher als Zeichen der Verlässlichkeit sehen. Wir haben einen gültigen Vertrag mit Ryanair, der erst im nächsten Jahr nachverhandelt werden kann. In der Diskussion um den Hahn-Taler hat Ryanair argumentiert, dass dies nicht dem mit Hahn geschlossenen Vertrag entspricht. Das ist zumindest nicht ganz unschlüssig. Ryanair ist ein seriöser Partner.

Das heißt: Allein mit Ryanair und ein paar Charterflügen können Sie die Fünf- Millionen-Marke knacken?

Pollety: Ja. Das können wir. Aber wir werden auf mittlere Sicht weitere Fluggesellschaften hier auf dem Hahn haben.

Das wird seit Jahren verkündet. Aber außer Ryanair hat sich bislang noch kein ernstzunehmender Kunde in den Hunsrück verirrt.

Pollety: Es wird sich was tun, da bin ich fest davon überzeugt. Wizz Air und Iceland Express werden in diesem Jahr vom Hahn ins bulgarische Sofia und die isländische Hauptstadt Reykjavik

fliegen. Aber wir haben natürlich noch Platz für weitere Fluggesellschaften.

Wie stehen Sie zur möglichen Konkurrenz durch den Bit-Airport in Bitburg?

Pollety: Wir verfallen deswegen nicht in Panik. Wir sind in Rheinland-Pfalz der Platzhirsch. Und mit dem Land als Mehrheitseigentümer im Rücken habe ich keine Angst vor Konkurrenz.

Wo sehen Sie den Hahn in fünf Jahren?

Pollety: Dann möchte ich mir die Frage nicht mehr stellen lassen müssen, wann der Hahn endlich schwarze Zahlen schreibt.