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"Ohne große Partner geht es nicht mehr"

"Ohne große Partner geht es nicht mehr"

Die Krankenhauslandschaft wird sich weiter verändern. Davon geht der Chef des gemeinnützigen Gesundheitskonzerns Agaplesion aus. Kleinere Krankenhäuser könnten nur in Verbund mit großen überleben. Beispiele dafür gibt es in der Region einige.

Trier. Es ist ein Experiment. Ein bislang einmaliges. Mit der Fusion des evangelischen Elisabeth-Krankenhauses Trier und des katholischen Marienkrankenhauses im Stadtteil Ehrang ist vor vier Jahren das erste ökumenische Verbundkrankenhaus in Rheinland-Pfalz entstanden.
Die evangelische Aktiengesellschaft Agaplesion und der katholische Krankenhauskonzern Marienhaus GmbH haben sich erstmals zusammengetan. "Ein gelungenes Experiment", sagt Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Agaplesion AG. Ohne den Zusammenschluss der beiden Konzerne (die Marienhaus GmbH ist mit 620 Millionen Euro Jahresumsatz der größte kirchliche Krankenhausträger) wäre das in finanzielle Schieflage geratene Elisabeth-Krankenhaus nicht mehr überlebensfähig gewesen. Die Pleite wäre unausweichlich gewesen. Zumal in der Konkurrenz zu zwei Großkliniken in Trier.
Da führe an Verbundkrankenhäusern oder Zusammenschlüssen kleinerer Kliniken mit großen Gesundheitskonzernen kein Weg vorbei, sagt Horneber. Kliniken mit weniger als 150 Betten seien schlichtweg nicht mehr überlebensfähig, so der Chef der Aktiengesellschaft, die über 6000 Beschäftigte hat.
In der Region zeigt sich das bereits sehr deutlich. Allein die Marienhaus GmbH betreibt neben dem ökumenischen Verbundkrankenhaus noch vier weitere Kliniken in Bitburg, Hermeskeil, Neuerburg und Gerolstein. Auch das Wittlicher und Bernkastel-Kueser Krankenhaus haben unter dem Dach der Cusanus-Trägergesellschaft ctt ein Verbundkrankenhaus gebildet.
Der Vorteil solcher Lösungen liege darin, dass Abteilungen wie Einkauf, Verwaltung oder Medizintechnik zentral gebündelt werden könnten. Dadurch könnten, so Horneber, etwa beim Einkauf für alle zu einem Konzern gehörenden Häuser viel Geld gespart werden.
Geld, das wiederum in die einzelnen Standorte fließt. Denn als gemeinnützige Träger müssen die kirchlichen Klinikkonzerne ihre Gewinne immer wieder investieren.
Die wirtschaftliche Situation der deutschen Kliniken habe sich im vergangenen Jahr massiv verschlechtert, sagt Horneber. Während die Steuereinnahmen bei Bund und Ländern auf ein Rekordniveau gestiegen seien und die gesetzlichen Krankenkassen einen erheblichen Überschuss erzielten, seien die Einnahmen der Kliniken eher zurückgegangen.
Mit dem Einstieg von Agaplesion in das Verbundkrankenhaus ist auch im evangelischen Krankenhaus in Trier eine teilweise für Mitarbeiter schmerzhafte Umstrukturierung (viele haben das Haus verlassen oder wurden versetzt) eingeleitet worden.Ambulantes OP-Zentrum


Aus dem ehemaligen Akutkrankenhaus ist ein ambulantes OP-Zentrum geworden. Zwar gibt es noch 80 Betten für internistische und ältere, geriatrische Patienten. Kranke, die mehrere Tage behandelt werden müssen, kommen aber nach Ehrang. "Das ist eine geniale Kombination", sagt Achim Schütz, seit Oktober Geschäftsführer des Verbundkrankenhauses. Eine Kombination, die das Elisabeth-Krankenhaus gerettet habe. Ab 2015 soll dort wieder Geld verdient werden.Extra

 Agaplesion-Chef Markus Horneber. Foto: Privat
Agaplesion-Chef Markus Horneber. Foto: Privat

Das Vermögen des gemeinnützigen Gesundheitskonzerns Agaplesion, der gemeinsam mit evangelischen Kirchen, 22 Kliniken und 32 Pflegeheime betreibt, beträgt rund 990 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 571 Millionen Euro und der Gewinn lag bei zehn Millionen Euro. Der Anteil der Agaplesion Aktiengesellschaft am ökumenischen Verbundkrankenhaus Trier beträgt 65,1 Prozent. Die katholische Marienhaus-Gesellschaft besitzt 24,9 Prozent und die evangelische Kirchengemeinde Trier zehn Prozent an dem Hospital. wie