"Ohne Kernkraft geht es nicht"

"Ohne Kernkraft geht es nicht"

Die deutsche Industrie unterstützt die Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung - zum Teil. BDI-Präsident Jürgen Thumann erläuterte gestern die Haltung seines Verbandes zum Klimaschutz und drohte vorsorglich mit der Abwanderung von Unternehmen ins Ausland.

Berlin. (wk) Für Angela Merkels Klimapolitik gab es gestern eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Industrie sieht kein Problem darin, bis 2020 rund 31 Prozent des CO{-2}-Ausstoßes zu vermeiden. Das sei "ehrgeizig, aber machbar", sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann bei der Vorstellung einer Studie. Die schlechte Nachricht: Wer mehr einsparen wolle, müsse entweder die Atomkraftwerke länger laufen lassen oder riskiere, so Thumann, "dass große Indus-trieunternehmen Deutschland verlassen und Millionen von Arbeitsplätzen verloren gehen". Angela Merkel will mehr, 40 Prozent Verringerung bis 2020, und ihre Koalition zugleich keine längeren Atomlaufzeiten. So konnte das politische Berlin die Präsentation der vom Beratungsunternehmen McKinsey erstellten Studie sowohl als Friedensangebot wie als Kampfansage sehen. Das Umweltministerium bemühte sich, die positiven Aspekte herauszustellen, auch wenn man nicht jeder Schlussfolgerung zustimme. Das Werk zeige, dass Klimaschutz bezahlbar sei und der Wirtschaft Chancen biete, erklärte Umweltstaatssekretär Matthias Machnig (SPD). Laut McKinsey können die 31 Prozent CO{-2}-Verringerung mit schon heute bekannten Techniken zu vertretbaren Kosten erreicht werden. 300 Maßnahmen rechneten die Forscher durch, und die meisten rechneten sich. Bei den 31 Prozent ist allerdings zu berücksichtigen, dass 17 Prozentpunkte davon bereits seit 1990, dem Vergleichsjahr, erreicht wurden, im Wesentlichen durch den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft. Es geht also nur noch um 14 Prozentpunkte.Ab 31 Prozent aber werde, so die Autoren, jede weitere Reduktion teuer. Die von Merkel für 2020 anvisierten 40 Prozent seien erst ab 2030 machbar und das nur, wenn dann die bisher noch nicht ausgereifte CO{-2}-Abscheidung bei Kohlekraftwerken einsatzfähig sei, sagte Thumann. Ohne Atomkraft seien die 40 Prozent "völlig unrealistisch".

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