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Verhandlung in Düsseldorf
Brüder als mutmaßliche IS-Terroristen vor Gericht

Einer der Angeklagten.
Einer der Angeklagten.
Düsseldorf. Zwei Brüder aus dem beschaulichen Bad Münstereifel stehen als mutmaßliche Terroristen in Düsseldorf vor Gericht. Sie sollen mit Sturmgewehren bewaffnet im Syrien-Krieg für islamistische Terrormilizen gekämpft haben.

Gegen zwei mutmaßliche IS-Terroristen aus Bad Münstereifel bei Bonn hat am Montag ein Terrorprozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht begonnen. Den beiden Brüdern drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Der zweite Angeklagte im Gerichtsaal in Düsseldorf.
Der zweite Angeklagte im Gerichtsaal in Düsseldorf.

Die 26 und 35 Jahre alten Syrien-Rückkehrer sollen sich zunächst 2012 in Euskirchen einer 15-köpfigen islamistischen Gruppe angeschlossen und dann in Syrien in den Reihen der islamistischen Terrormilizen Al-Nusra-Front und Islamischer Staat gekämpft haben, berichtete die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft. Beide Angeklagten haben zu den Vorwürfen bislang geschwiegen.

Verteidiger Martin Heising kritisierte die Anklage: Sie beruhe auf den Aussagen eines "höchst dubiosen V-Manns", der bereits wegen falscher Verdächtigung strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, und rechtlich fragwürdigen Abhörmaßnahmen.

Die Deutsch-Marokkaner Rachid und Khalid B. erschienen in grauen Pullovern im Hochsicherheitstrakt des Gerichts. Laut Anklage waren sie von 2013 bis 2014 in Syrien. Der 26-Jährige soll zuerst in den Nahen Osten gereist und in Telefonaten seinen älteren Bruder bestärkt haben nachzukommen. Beide sollen an einem Schieß- und Kampftraining und dann an mindestens drei Kampfeinsätzen teilgenommen haben.

Verstoß gegen das Kriegswaffen-Kontrollgesetz

Rachid B. habe für den Islamischen Staat in Aleppo in erster Reihe der Front gekämpft haben. Das Kalaschnikow-Sturmgewehr habe er sich zuvor für 1000 US-Dollar selbst gekauft, hieß es. Nach drei Wochen im Einsatz für den IS sei er zur Al-Nusra-Front zurückgekehrt. Beide Angeklagten haben zu den Vorwürfen bislang geschwiegen.

Neben der Mitgliedschaft in zwei terroristischen Vereinigungen wird ihnen Verstoß gegen das Kriegswaffen-Kontrollgesetz vorgeworfen. Der jüngere Bruder ist zudem wegen Freiheitsberaubung angeklagt. Seine Gruppe hatte einen vermeintlichen Spion neun Tage lang festgehalten. Der Mann war dabei geschlagen und getreten worden.

Gegen den jüngeren Angeklagten laufe in Aachen ein Verfahren zur Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft, informierte der Vorsitzende Richter Lars Bachler.

Die Brüder waren im Januar 2017 in Bad Münstereifel festgenommen worden und sitzen seit über einem Jahr in Untersuchungshaft. Islamischer Staat und Al-Nusra-Front sind laut Anklage für tausende Terroranschläge mit weit über 10.000 Toten verantwortlich. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Das Gericht hat für das Verfahren elf Verhandlungstage angesetzt.

(csr)